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Bad Münstereifel

Mittelalterliche Stadt wird zum Outlet-Center
Samstag, 19. Oktober 2019

Für die gemeinsam mit dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) geplante  Tagesexkursion nach Bad Münstereifel konnten wir mit dem Ehepaar Zanger eine außerordentlich fachkundige Leitung vor Ort gewinnen. Beide konnten uns aufgrund ihrer beruflichen Erfahrungen einen umfassenden Einblick in die Geschichte der Region und der Stadt Bad Münstereifel geben. Während Heinz Zanger (Architekt und Stadtplaner) uns zunächst die Römische Kalkbrennerei in Iversheim erläuterte, informierte uns Octavia Zanger (ehem. Fachreferentin im Rhein. Denkmalamt, Brauweiler) in Bad Münstereifel über die Veränderungen im Rahmen der Umgestaltungen für ein Factory-Outlet-Center.

Iversheim: Röm. Kalkbrennerei mit Bahnanschluss

Am Morgen haben wir uns zunächst die bedeutende archäologische Ausgrabung und museale Rekonstruktion der Römischen Kalkbrennerei Iversheim angeschaut.

Iversheim: Gruppe am Modell

Die antike Kalkfabrik bestand aus sechs nebeneinander liegenden Kalköfen, die von römischen Legionären der Legio XXX (Ulpia Victrix) und Legio I (Minervia) vermutlich in der Zeit von 150 n. Chr. bis 300 n. Chr. betrieben wurde.

Modell der röm. Kalkbrennerei mit Erfthafen

Das von Heinz Zanger gebaute Modell der Kalkbrennerei - mit einem vermuteten Hafen an der Erft - vermittelt einen guten Eindruck der frühen Industrieanlage und der Transportverbindungen.

Anschließend haben wir uns ganz der Geschichte von Münstereifel gewidmet. Ein Benediktinerkloster im Erfttal, dem die Stadt ihre Entstehung und den Namen verdankt, wurde im Jahr 830 vom Kloster Prüm aus gegründet. Im Jahr 844 erhielt es die Reliquien des römischen Märtyrerehepaars Chrysanthus und Daria, die ihm einen beträchtlichen Bedeutungszuwachs verschafften.

Bad Münstereifel, Stiftskirche

Die heutige Basilika wurde im 11. Jh. erbaut. Das Westwerk ist vermutlich von St. Pantaleon in Köln inspiriert. Münstereifel wurde 1299 erstmals „oppidum" Monasterium in Eiflia genannt.

Schrein der Märtyrer Chrysanthus und Daria

Aufgrund des am Sonntag stattfindenden 1175. Stiftungsfestes wurde der barocke Reliquienschrein für eine Prozession vorbereitet. Dieser befindet sich normalerweise in einem gotischen Schreingehäuse in der Krypta. 

Mittagessen in gemütlicher Wohnzimmer-Atmosphäre

Glücklicherweise blieben wir von den kräftigen Regenschauern verschont, da wir in dieser Zeit das vorbestellte Mittagessen im originellen und gemütlichen Café T einnehmen konnten. Beim anschließenden weiteren Stadtrundgang hatte sich das Wetter wieder beruhigt. Nahezu vollständig erhalten ist die Stadtumwehrung aus dem Anfang des 13. Jhs. mit insgesamt vier Stadttoren, zahlreichen Türmen und den beiden Durchlässen für die Erft.

Bad Münstereifel, Oberer Erftdurchlass und Heisterbacher Tor

Unser Rundgang verlief auf längeren Abschnitten entlang dieser gut erhaltenen Wehranlagen.

Bad Münstereifel, Gruppe um Frau Zanger

Bad Münstereifel hat heute über 360 Baudenkmäler, wobei der Großteil innerhalb der Kernstadt liegt. Um das historische Ortsbild von Bad Münstereifel zu erhalten, wurde bereits im Jahr 1982 eine Denkmalbereichssatzung erlassen, deren Geltungsbereich 2004 nochmals erweitert wurde. Innerhalb der Stadt liegen auch mehrere ehemalige Klöster, die heute u.a. von Schulen genutzt werden.

Ehem. Jesuitenkirche St. Donatus

Die barocke Klosterkirche der Jesuiten und heutige Filialkirche St. Donatus entstand in den Jahren 1659 bis 1668. In Inneren überraschen die stützenlosen Holzemporen und das den Raum überspannende Holzgewölbe nach dem Vorbild spätgotischer Netzrippengewölbe.

Die zurückgehenden Gästezahlen im Kurbetrieb führten zu zahlreichen Leerständen. Ab 2011 kauften drei Investoren die meisten Häuser auf, sanierten und schufen, in Abstimmung mit der Denkmalpflege, ein großflächiges Factory-Outlet-Center in der Stadt. Dabei erfolgte die Installation der Haustechnik (Klimaanlagen) teilweise in den dadurch heute unbewohnbaren Obergeschossen. Im Rahmen einer Führung lernten wir nicht nur die Sehenswürdigkeiten kennen, sondern wurden fachkundig informiert, welche Erfahrungen mit der Umwandlung verbunden sind.

Das historische Kurhaus

Selbstverständlich gehörte zu einem Besuch von Bad Münstereifel auch die Gelegenheit für eine abschließende Kaffeepause, für die wir Plätze in Heinos Café im Historischen Kurhaus reserviert hatten.

Ehem. Kneipp-Kuranlagen mit verfallender Liegehalle

Zuvor unternahm ein Teil der Gruppe mit dem Ehepaar Zanger noch einen Spaziergang in die ehemaligen Kuranlagen des Kneipp-Bades. Die terrassierten Wiesenflächen und die verbindenden Treppenanlagen präsentieren sich aktuell in einem wenig einladenden Zustand und die historische Liegehalle wird dem Verfall preisgegeben. Während wir danach gemütlich bei Kaffee und Kuchen saßen, öffnete der Himmel kurzzeitig seine Schleusen. Bei der anschließenden Rückfahrt klarte es wieder auf und wir erreichten Koblenz ohne Probleme - und dank der informativen Begleitung durch das Ehepaar Zanger - mit vielen neuen Eindrücken!

Termin: Samstag, 19. Oktober 2019
Abfahrt: 8.30 Uhr, Koblenz, Reisebusbahnhof, (Sparda-Bank)
Rückkunft: gegen 19.00 Uhr
Preis: Mitglieder, RVDL: 34,00 €, Gäste: 36,00 €
Leistungen: Busfahrt, Eintritt, Führungen mit Ehepaar Zanger

Leitung, Bericht und Fotos: Hans-Peter Günther

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