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Ausstellungen: Malerfürsten / Ernst Ludwig Kirchner

Bundeskunsthalle in Bonn
Freitag, 11. Januar 2019

Die erste Exkursion im Neuen Jahr führte uns per Bahn nach Bonn, denn der neu geschaffene Haltepunkt Bonn UN-Campus, unmittelbar hinter der Bonner Museumsmeile gelegen, ermöglicht seit November 2017 eine Direktanbindung an die Bundeskunsthalle. Dort führten uns die beiden Kunsthistorikerinnen Judith Graefe und Dr. Beate Marks-Hanßen jeweils gut 90 Minuten durch die beiden Ausstellungen der Moderne. Wir erlebten mit je 22 Teilnehmern zwei ganz unterschiedliche Genres.

Erstmalig rückt eine Ausstellung das internationale kunst- und kulturgeschichtliche Phänomen „Malerfürst" in den Fokus, das in den 1870er und 1880er Jahren eine Blütezeit erlebte und mit Beginn des Ersten Weltkrieges sein Ende fand. Frederic Lord Leighton, Hans Makart, Jan Matejko, Mihály von Munkácsy, Franz von Lenbach, Friedrich August von Kaulbach und Franz von Stuck galten zu ihren Lebzeiten als „Malerfürsten" und zählten zu Europas High Society. Sie stiegen kometenhaft auf, waren erfolgreich, vermögend, gesellschaftlich angesehen und bewegten sich auf Augenhöhe mit den Reichen und Mächtigen. Die Ausstellung zeigte den Prunk dieser Malerfürsten in ihren Bildern, auf Fotos ihrer Ateliers und in ausgefallenen Exponaten, wie beispielsweise einem Handschuhanzieher.

Ausstellungsansicht © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Foto: Peter-Paul Weiler, 2018

Malerfürstlich lebten sie in prunkvollen Residenzen, und die Menschen standen Schlange, um sich von ihnen malen zu lassen und ihre sensationellen Bilder zu sehen. Diesen mit Huldigungen verbundenen Sonderstatus erreichten in jener Zeit nur wenige Maler.

Ganz im Gegensatz zu der eher aufwendigen und häufig inzenierten Lebensweise dieser Künstler steht die zweite Ausstellung, die sich mit Ernst Ludwig Kirchner befasst. Unter dem Thema „Erträumte Reisen" wird der Lebensweg des sensiblen expressionistischen Malers von Dresden über Berlin und Fehmarn bis nach Davos aufgezeigt.

Kirchner: Sertigtal im Herbst 1925–26 © Kirchner Museum Davos, Jakob Jägli

Der 1880 geborene Künstler hat Anfang des 20. Jahrhunderts den deutschen Expressionismus stark beeinflusst und war Mitbegründer der Dresdener Künstlergruppe „Brücke". Nachdem Kirchner aus gesundheitlichen Gründen vom Einsatz im 1. Weltkrieg verschont blieb, zog er sich in die Schweizer Bergwelt nach Davos zurück. Seine fortwährende Suche nach dem Exotischen und Ursprünglichen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt ziehen sich durch sein ganzes Leben und seine Werke. In Davos änderte er seine Sujets und seinen Stil. Flächig aufgetragene Farben, beeindruckende Berglandschaften und Frauenfiguren waren nun seine Themen. Die Suche nach dem Einklang mit der Natur ließ Kirchner aber nicht in exotische Länder reisen, sondern er malte eigene ferne Welten, die er aus Völkerschauen, Reiseberichten, Kunstausstellungen oder seiner Fantasie entwickelte. Er eignete sich die fremden Eindrücke an und verwandelte sie in Bilder oder Skulpturen. Unsere beiden Führerinnen konnten uns diesen Wandel Kirchners eindrücklich aufzeigen.
Mit rund 180 Werken (Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Möbel und Textilien) veranschaulicht die Ausstellung wie der Maler gesellschaftliche, persönliche und künstlerische Einflüsse immer wieder neu verarbeitete und weiter entwickelte. Das ART Center Basel und das Kirchner Museum Davos haben in Zusammenarbeit mit der Bundeskunsthalle diese facettenreiche Ausstellung organisiert. Einen guten Überblick zur Ausstellung und den Künstler vermittelt der Film (15min): Ernst Ludwig Kirchner. Erträumte Reisen – Behind the Art

Nach einer Mittagspause hatten alle Teilnehmer noch einmal die Gelegenheit, sich in die beiden Ausstellungen zu vertiefen und diese mit Muße zu genießen. Einige aus der Gruppe schauten sich in der Bundeskunsthalle noch die dritte Ausstellung an: Kino der Moderne. (Die Bundeskunsthalle und die Deutsche Kinemathek präsentieren gemeinsam eine umfangreiche Ausstellung zum Kino der Weimarer Republik). Andere gingen in das Bonner Kunstmuseum, wo die ebenfalls sehr sehenswerte Schau „Der Flaneur – Spaziergang durch die Metropolen" vom Impressionismus bis zur Gegenwart zu sehen war.
Um 16:00 Uhr ging es mit vielen neuen Eindrücken wieder per Zug nach Koblenz zurück.

Termin: Freitag, 11. Januar 2019
Treffpunkt: 9.00 Uhr, Eingangshalle Koblenz Hauptbahnhof
Abfahrt: 9.14 Uhr mit RE 5 Gleis 1
Rückkunft: 16.42 Uhr
Leistungen: Zugfahrten, Eintritt und Führungen
Kosten: Mitglieder 21,00 €; Gäste 23,00 €

Leitung und Bericht: Elke Arenz

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