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Zum Nikolausfest in der Jugendstilstadt Nancy

3-tägige Kultur- und Studienreise
vom 30. Nov. bis 2. Dez. 2018

Lothringen ist eine faszinierende Region im Herzen Europas – Metz eine Stadt mit unwiderstehlichem Charme. Die prächtige Kathedrale Saint Etienne, das Kaiserviertel, das Deutsche Tor und die Befestigungsanlagen, die hübschen Gassen mit Fachwerkhäusern, die Gärten und die Moselkais erzählen die reiche, komplexe Geschichte zwischen französischem König und deutschem Kaiserreich. Eine neue Ära umgibt das Centre Pompidou, ein Ort der Begegnung voller Kultur und Geschäfte.

Place Stanislas, Foto: © Ville de Nancy

Nancy zählt zu den großen Jugendstil-Zentren in Europa. Die Stadt wird auch verbunden mit dem Gold des eleganten Place Stanislas (er zählt zum Unesco-Weltkulturerbe), der beeindruckenden Porte de la Craffe, dem Tor zur Altstadt mit den Renaissancehäusern in den Gassen, die den Herzogspalast umgeben. Außerdem beeindrucken die zahlreichen Häuserfassaden im Jugendstil mit ihren Blumenmotiven.
Der Hlg. Nikolaus, der Schutzpatron Lothringens, wird seit dem Mittelalter verehrt und sein Fest wird überall in Lothringen im Dezember gefeiert. Im Mittelpunkt steht das Nikolaus-Wochenende in Nancy mit einem zweitägigen Veranstaltungsprogramm, in diesem Jahr vom 30.11. bis 2.12.2018. Den Höhepunkt bildet der große Festumzug – jedes Jahr zu einem anderen Thema – der seinen Abschluss auf der großen Place Stanislas mit einem Feuerwerk findet.

1. Tag: Anreise, Metz, Nancy
40 Mitglieder und Gäste nahmen an unserer Jahresabschlussfahrt nach Lothringen im Nachbarland Frankreich teil. Sie führte zunächst nach Metz, der Hauptstadt des französischen Départements Moselle, eine Stadt mit einem ganz besonderen Charme. Wir erlebten eine Führung zur komplexen Geschichte zwischen französischem König und Deutschem Kaiserreich.

Metz, Blick über die Stadt, Foto: F. Schliephake

Wir besuchten die Kathedrale St. Étienne (Stefan), wo unsere Führerin deren Baugeschichte und Bedeutung erläuterte und einen Bogen zur Moderne schlug, zeigt die Kathedrale doch links im Querschiff faszinierende von Marc Chagall gestaltete Fenster.

Metz, St. Étienne, Chagall-Fenster, Foto: F. Schliephake

Erläuterungen gab es ferner zu historischen Gebäuden wie den früheren Kaianlagen, klassizistischen Wohnhäusern, Kasernenanlagen und Resten der ehemaligen Festung.

Metz, Im Centre Pompidou

Der Nachmittag war dem Centre Pompidou gewidmet, einem Meisterwerk zeitgenössischer Architektur, vom japanischen Architekten Shigeru Ban gestaltet mit filigraner Dachkonstruktion aus Holz und schimmernder Glasfaserhaut, inspiriert vom Geflecht eines chinesischen Hutes.

Metz, Centre Pompidou Foto: F. Schliephake

Beeindruckt waren wir von zwei Ausstellungen zu den Themen l'Aventure de la Couleur (Abenteuer Farbe) und Peindre la Nuit (die Nacht malen).

Nach der Ankunft in Nancy und dem Zimmerbezug im zentral gelegenen Best Western Hotel Crystal genossen wir ein gemeinsames Abendessen im Feinschmecker-Restaurant „Les Pissenlits" (Löwenzahn) in der Rue des Ponts. Es gab Geflügelpastete, Lamm-Daube und zum Nachtisch crème brûlée mit Pistazien.

2. Tag: Nancy
Die nächsten eineinhalb Tage waren Nancy gewidmet, seit 1477 zu Lothringen gehörend, dessen Hauptstadt und ab 1736 durch den polnischen Herzog Stanislas Leszcinski herrlich ausgebaut. Zentrum ist der prachtvolle Place Stanislas mit Triumphbogen, barocken Palästen, vergoldeten Eingangstoren und einem Standbild von Stanislas.

Wir begannen den Tag mit einer Jugendstil-Panoramatour. Zunächst zeigte uns Stadtführerin Marianne Vallois vom Bus aus das Jugendstilviertel, wo sie uns einige Jugendstilvillen der Ecole de Nancy, wie die Maison Bergeret, den Saurupt Park (Gartenstadt mit fünf Jugendstilvillen) und weitere typische Orte, unter anderem die alten Ateliers von Emile Gallé zeigte. Der Jugendstil wird hier als „Art Nouveau" bezeichnet. Anschließend führten uns Marianne und Anne Bouigeon durch die Innenstadt mit dem Place Stanislas, dem Place del Carriere, die Basilika minor St. Epvre (Aper, Bischof von Toul), die Porte de Graffe und dem alten Herzogspalast. Straße und Plätze standen schon im Zeichen der Vorbereitungen des abendlichen Nikolaus-Umzuges.

Nancy, Villa Majorelle

Nach der Mittagspause setzen wir unseren Rundkurs wieder im zwei Gruppen fort: Marianne Vallois und Christine Wetz zeigten uns an etlichen Wohn- und Geschäftshäusern Beispiele des Jugendstils in der Stadt. Die Ecole de Nancy verstand es, technologische Fortschritte, herausragende angewandte Künste und Handwerk zu nutzen, um den Unternehmergeist dieser Zeit in Stein, Metall, Glas und Holz darzustellen und zu zeigen.
Der Abend stand ganz im Zeichen des Festzuges anlässlich des am 6. Dezember bevorstehenden Festes des Heiligen Nikolaus. Die 18 prächtig und fantasievoll ausgestalteten Festwagen erinnerten allerdings eher an einen Karnevalszug und hatten recht wenig mit dem hl. Nikolaus zu tun, wie etwa Festwagen mit dem trojanischen Pferd, einem Einhorn, dem Pferd Pegasus, einem Riesengorilla, Phantasievögeln, einem Dampfboot, einer Bonbon-Kanone und immer wieder Drachen. Wem das Gedränge am Weg des Festzuges entlang zu beengend war, der konnte den Zug auf einer Riesenleinwand auf der Place Stanislas verfolgen. Gedränge und Regen; aber schön war's doch.

3. Tag: Museen in Nancy, Saint Nicolas de Port, Rückfahrt
Am Sonntagmorgen nutzen die meisten Teilnehmer unserer Gruppe die Freizeit zu einem lohnenden Besuch im Musée des Beaux Arts (Museum der schönen Künste). Hier waren im Untergeschoss neben Spuren der ehemaligen Festung Nancy rund 300 Schöpfungen der Glasmanufaktur Daum zusehen. Die Skulpturen- und Gemäldeausstellung umspannt den Zeitraum vom 14. bis zum 20. Jh. und zeigt u.a. Werke von Caravaggio, Manet, Modigliano, Monet, Picasso oder Tintoretto oder auch Darstellungen der jungen Liselotte von der Pfalz oder des tragischen Todes des burgundische Herrschers Charles le Téméraire (Karl der Kühne) im Jahre 1477.

Coupe rose de France von Émile Gallé (1846-1904) im Musée de l‘École de Nancy, Foto: F. Schliephake

Aber auch das »Musée de l'École de Nancy« in der von der Stadt 1952 erworbenen Villa von Eugène Corbin wurde von verschiedenen Teilnehmern besucht. Die Sammlungen zeugen von der Vielfalt der Techniken (Möbel, Kunstobjekte, Glasherstellung und -malerei, Leder, Keramik, Textil), welche die Künstler meisterhaft beherrschten. In der Ausstellung sind Werke von Émile Gallé (1846-1904), wie die Vase »Rose de France von 1901« zu sehen.

Ein kleiner Höhepunkt erwartete uns auf der Rückfahrt. Wir machten noch einen Abstecher zur Basilika Saint Nicolas de Port im gleichnamigen südöstlich von Nancy gelegenen Ort.

St. Nicolas de Port

Der Lothringer Charles Aubert, genannt de Varangéville, erwarb im 11. Jh. die „segnende rechte Hand" des Hl. Nikolaus, für die im Jahre 1101 eine erste Kirche erbaut wurde. Sie wurde sogleich zur Pilgerstätte. Aus Dankbarkeit für den Sieg über Burgund ließ der Herzog von Lothringen 1481 den Bau der heutigen, im Jahre 1560 eingeweihten Kirche beginnen. Papst Pius XII. weihte sie 1950 zur Basilika minor. Das großzügige Vermächtnis eines nach den USA ausgewanderten 1980 verstorbenen Bürgers: Camille Croué-Friedman aus Saint Nicolas de Port ermöglichte eine umfangreiche Renovierung. Die Kirche ist ein großartiges Beispiel der fast stilreinen französischen Flamboyant-Gotik in Lothringen. Die Türme sind 85 und 87 m hoch, das Kirchenschiff 32 m. Eine Statue des hl. Nikolaus am Mittelpfeiler des Zentralportals erinnert an eines seiner Wunder – Die Wiederbelebung der drei Studenten im Salzfass. Die Kirche enthält zahlreiche Schätze: Wandmalereien und Bleiglasfenster aus dem 16. Jh., das Taufbecken aus dem 12. Jh., die Skulpturen und die Wasserspeier. In der Schatzkammer befindet sich u.a. das Armreliquiar des hl. Nikolaus.

Termin: Freitag, 30. November 2018
Abfahrt: 7.00 Uhr, Koblenz, Reisebusbahnhof (Sparda-Bank)
Rückkunft: Sonntag, 2. Dezember 2018, gegen 20 Uhr
Preis: Mitglieder: 299,00 € p.P. im DZ
Gäste: 314,00 € p.P. im DZ
EZ-Zuschlag: 93,00 €
Leitung: Hans-Jürgen Wenzel, Jürgen Zahren

Leistungen:
• Fahrt mit modernem Fernreisebus
• 2 ÜFr im 3-Sterne Hotel Best Western Hotel Crystal in Nancy
• Ein Abendessen im Restaurant Les Pissenlits in Nancy
• Deutschsprachige Stadtführungen in Metz und Nancy
• Eintritt Centre Pompidou in Metz
• Reiseleitung durch Koblenzer Bildungsverein

Bericht: Hans-Jürgen Wenzel (HJW), Fotos: Frank Schliephake und HJW

 

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