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Landesdenkmalämter im Rheinland (Teil 2)

Abtei Brauweiler und das Rheinische Amt für Denkmalpflege
Freitag, 23. März 2018

Ziel der überaus informativen Tagesfahrt war die ehemalige Benediktinerabtei Brauweiler in Pulheim bei Köln. Dort hat das zum Landschaftsverband Rheinland (LVR) gehörende Amt für Denkmalpflege im Rheinland seinen Sitz und die Werkstätten.

Im Jahr 1024 gründeten der lothringische Pfalzgraf Ezzo und seine Frau Mathilde ein Benediktiner-Kloster, das sich unter dem Einfluss des Reformklosters Stablo entwickelte. Richeza, die Tochter des Gründerpaares, stiftete 1048 den Neubau der Kirche. Gegen 1135 ließ Abt Aemilius einen Neubau der Gesamtanlage beginnen, der erst im 13. Jh. abgeschlossen wurde. 1547 erhielt die Abtei durch Kaiser Karl V. das Recht zur Führung eines Wappens und den Titel „Reichsabtei“. Die Abteikirche St. Nikolaus ist ein Höhepunkt romanischer Baukunst im Rheinland, die barocken Abteigebäude zeigen festliches Gepräge, z.B. in den großen Innenhöfen.

Brauweiler, Romanisches Westportal

Nach einer staufreien Anreise mit dem kompakten 28-Sitzer der Firma Garske und 17 Teilnehmern, die ab Koblenz teilnahmen, konnten wird vor der ehemaligen Abtei weitere sechs Gäste begrüßen, die direkt nach Brauweiler anreisten. Mit Frau Margret Zander-Maaß lernten wir am Vormittag im Rahmen einer gut zweistündigen Führung die Geschichte der ehemaligen Abtei kennen. Aufgrund einer Trauerfeier in der Kirche besuchten wir zunächst den Außenbereich mit dem tausendjährigen Maulbeerbaum, anschließend dann aber auch die ehemalige Abteikirche und ihre Krypta sowie den Kreuzgang und Kapitelsaal.

Brauweiler, Vortrag zur Gedenkstätte im Abtssaal

Nach einem abschließenden Blick in den sogenannten Kaisersaal im barocken Teil der Abtei erwartete uns im Abtssaal ein Vortrag von Historiker Josef Wißkirchen zur Gedenkstätte. Die derzeit nicht zugängliche Gedenkstätte im Keller des Frauenhauses erinnert an die Nutzung der Abtei als Konzentrations- und Arbeitslager zwischen 1933 und 1945.

Obwohl wir mit gut 30 Minuten Verspätung im Restaurant Mathildenhöhe ankamen, hat die Zeit ausgereicht um die leckeren Gerichte ohne Hektik zu genießen. Da der Bus im Hof parken konnte, war ein Transfer zum Kloster möglich und wir erreichten fast pünktlich die Klostergebäude. 

Dort ermöglichten uns Dr. Ludger Sutthoff und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen detaillierten Einblick in die renommierten Restaurierungswerkstätten. Ein bundesweites Novum ist die personelle Ausstattung mit elf fest angestellten Restauratoren.

Verändertes Wandbild aus Essen

Diplom-Restaurator Christoph Schaab leitet den Bereich Anorganische Werkstoffe (Stein, Metall, Glas, Kunststoffe). Ein Objekt ist eine Wandgestaltung des Op-art-Künstlers Victor Vaserely aus einer inzwischen abgebrochenen Hochschule in Essen. Vor seiner Abnahme wurde das Gemälde allerdings von Unbekannten mit Schablonen und Farben stark verändert. Ob eine Wiederherstellung wieder möglich ist und welcher Aufwand damit verbunden wäre, wurde jetzt wissenschaftlich untersucht. 

Die aktuelle Restaurierung des Marienretabels aus Oberpleis ermöglichte einen interessanten Vergleich zu den unterschiedlichen Umrahmungen und Farbfassungen, den diese aus der Romanik stammende Darstellung mit der thronenden Maria, den Heiligen Drei Königen und drei Engeln seit 1894 hatte.

Oberpleis: Retabel mit Fassungen seit 1894

Behutsame Restaurierung des Retabels aus Oberpleis

Im Bereich der Organischen Werkstoffe (Holz, Textilien, Gemälde) erläuterte Dipl.-Restaurator Marc Peez die sehr unterschiedlichen Herausforderungen für die Erforschung und Restaurierung der vielfältigen Objekte.

Was ist original - was spätere Ergänzung?

Anschließend hatten wir noch die Möglichkeit zum Gespräch mit Frau Dr. Helmtrud Köhren-Jansen, Leiterin der Abteilung Inventarisation. Sie stellte uns einerseits nochmals das Amt und seine organisatorische und personelle Gliederung vor, berichtete andererseits auch sehr offen über die vielfältigen Probleme mit der Denkmalschutz-Gesetzgebung in Nordrhein-Westfalen. Im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz erfordert die Unterschutzstellung von Objekten einen personell und finanziell aufwendigen Verwaltungsakt. Für Frustrationen sorgen auch Verfahren, wie ein aktuelles Beispiel aus Bergisch-Gladbach - für das sich in besonderem Maße auch der Rheinische Verein engagiert hatte: Weniger Denkmalschutz für Zanders (03.03.2018) / Dreizehn Gebäude denkmalwürdig (07.03.2018). Über die im Ministerium getroffene Entscheidung zu einem deutlich reduzierten Umfang der Unterschutzstellung hatte das Amt erst durch Presseanfragen Kenntnis erhalten.
Mit einem herzlichen Dank für die vielfältigen Informationen und die Beantwortung der zahlreichen Fragen verabschiedeten sich die Teilnehmer.

Für eine abschließende Kaffeepause - mit leckeren Kuchen - wurde vor der Rückfahrt noch das Café Heyartz „überfallartig gestürmt". Für unseren Busfahrer Günter Cassola von der Firma Garske bot Brauweiler leider sehr ernüchternde Eindrücke, denn obwohl die ehemalige Abtei als „Kulturzentrum" gilt, sind Gäste, die mit Bussen anreisen dort offenbar nicht vorgesehen. Immerhin konnte unser Fahrer am Nachmittag unmittelbar vor dem Café einen Parkplatz ergattern. Nach dem bequemen Einstieg verlief auch die Rückfahrt glatt und ohne Stau, sodass wir alle wohlbehalten und mit vielen neuen Eindrücken am Abend wieder Koblenz erreichten.   

Für das Frühjahr 2019 sind jeweils eine Tagesfahrt zum Landesamt für Denkmalpflege Hessen im Wiesbadener Schloss Biebrich sowie des Landesdenkmalamtes des Saarlandes im Zechengebäude des ehemaligen Bergwerks Reden in Schiffweiler geplant. Beide Fahrten werden wiederum mit interessanten Besichtigungen verbunden.

Termin:  F r e i t a g, 23. März 2018
Abfahrt:
8.00 Uhr, Koblenz, Reisebusbahnhof (Sparda-Bank)
Rückkunft: gegen 19.00 Uhr
Preis: Mitglieder und RVDL: 32,00 €; Gäste: 34,00 €
Leistungen: Busfahrt, Führungen

Leitung, Bericht und Fotos: Hans-Peter Günther

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