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Aus „Tolbiacum“ wird Zülpich

Von der Römerzeit bis ins 21. Jahrhundert
Samstag, 12. August 2017

Bei der Tagesfahrt in die Zülpicher Börde haben wir Kulturgeschichte von der Römerzeit durchs Mittelalter bis in die Gegenwart erkundet. Dabei folgten wir gedanklich dem Konzept der „Jahrtausendgärten“, die für die Zülpicher Landesgartenschau 2014 angelegt wurden. Mit diesem Projekt hat die kleine Stadt eindrucksvoll veranschaulicht, wie sich kulturelles Erbe in Wert setzen lässt und Teil einer zukunftsorientierten Weiterentwicklung geworden ist, verbunden mit einem großen Zugewinn an öffentlichen Grüngestaltungen. Dass der Schutz von Denkmälern (und von Landschaften) kein Selbstzweck ist, sondern einen Bezug zur Gestaltung unserer Lebensumwelt hat, war ein Leitgedanke der Exkursion, die wir gemeinsam mit dem Rheinischen Verein für Denkmalschutz und Landschaftspflege (RVDL) geplant und durchgeführt haben.

Wasserburg Langendorf bei Zülpich

Erstes Ziel der rund 35 Teilnehmer war die spätgotische Wasserburg Langendorf; die nicht nur wegen ihres exzellenten Erhaltungszustandes einen Abstecher lohnt. In einer Führung mit Frau Juliane B. Vetter erhielten wir nicht nur Informationen zum Bauwerk, sondern auch zur heutigen Nutzung und der 2001 gegründeten Manfred Vetter-Stiftung.

Langendorf, Gruppe in der ehem. Remise

An die Schlacht von Zülpich (lateinisch Tolbiacum) erinnert die 1996 ganz in der Nähe aufgestellte Chlodwig-Stele. Der Frankenkönig Chlodwig I. ließ sich nach seinem Sieg über die Alemannen 496 n.Chr. taufen und wurde Christ – ein Ereignis, dem die Geschichtsschreibung welthistorische Bedeutung beimisst.

Langendorf, Skulptur von Ulrich Rückriem

Von Bildhauer Ulrich Rückriem stammen auch weitere große Objekte aus Granit.

Im Anschluss begleitete uns Kunsthistorikerin Stefanie Niers zunächst zum Kloster Marienborn. In der ehemaligen Klosterkirche sahen wir die Hovener Madonna, eine der bedeutendsten romanischen Skulpturen des Rheinlandes aus dem 12. Jahrhundert.

Hovener Madonna in der Kirche von Kloster Marienborn

In Zülpich konnten wir die Kath. Pfarrkirche St. Peter zunächst nur von außen besichtigen, da die Türen verschlossen waren. So kehrten wir erst zum Mittagessen im nahegelegenen Hotel Europa ein und besichtigten anschließend St. Peter, die nach einer Taufe auch wieder geöffnet war. Dabei hatten wir das Glück, noch kurz die neue Orgel zu hören.

Zülpich, St. Peter mit den Antwerpener Altären

Zülpich, roman. Krypta unter St. Peter

Die Katholische Pfarrkirche St. Peter hat ihre heutige Gestalt ab 1952 durch den Kölner Architekten Karl Band erhalten. Dr. Martin Bredenbeck und Stefanie Niers stellten uns die Kirche und ihre bedeutende Ausstattung mit den beiden Antwerpener Schnitzaltären und die Krypta vor. Eine gute Übersicht zum Bauwerk und den Ergebnissen der 2012 / 2013 vorgenommenen Arbeiten - mit denen die ursprünglichen Qualitäten des Bauwerks herausgearbeitet bzw. zurückgewonnen wurden - zeigt ein Blick auf die Homepage Ernst Architekten BDA.

Zülpich, St. Peter; Foto: Hans-Gerd Dick

In den Fenstern des Museums spiegelt sich die Pfarrkirche St. Peter. Foto: H.G. Dick

Unmittelbar neben der Pfarrkirche befindet sich das in Deutschland einzigartige „Museum für Badekultur“, das auf einer römischen Thermenanlage steht. Stefanie Niers und Dieter Freyer führten uns in zwei Gruppen durch das interessante Museum, das den Bogen spannt von den baulichen Resten aus der Römerzeit über die Badekultur des Mittelalters bis in unsere Tage.

Zülpich, Landesburg und St. Peter

In direkter Nachbarschaft erheben sich die wiederaufgebaute Kurkölnische Landesburg. In das dort untergebrachte Museum und den zur Gartenschau wieder freigelegten Burggraben konnten wir noch einen Blick werfen. Abschließend schauten wir auf dem Weg zum Bus noch in die 1951 erbaute evang. Christuskirche. Ihr Bau wurde erforderlich, um der nach 1945 von ehemals 40 auf etwa 1500 Gemeindeglieder angewachsenen evang. Gemeinde einen Kirchenraum zu bieten.

Um rechtzeitig vor „Rhein in Flammen“ wieder zurück in Koblenz zu sein, hatten wir die ursprünglich geplante Kaffeetafel im ehemaligen Siechhaus frühzeitig storniert. Der Einladung von Stefanie Niers zu einem weiteren Besuch in der Zülpich-Jülicher Börde werden wir auf jeden Fall nachkommen.

Erstmals bei einer Tagesfahrt waren wir mit einem Bus der Firma Scherer-Reisen aus Gemünden im Hunsrück unterwegs, die mit Römer-Reisen kooperieren.

Termin: Samstag, 12. August 2017
Abfahrt:
8.00 Uhr, Koblenz, Reisebusbahnhof
Rückkunft: gegen 19.30 Uhr
Preis: Mitglieder und RVDL: 29,00 €, Gäste: 31,00 €
Leistungen: Busfahrt, Führungen, Eintritt
Leitung: Dr. Martin Bredenbeck, Hans-Peter Günther

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