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Hieronymus Bosch – Visionen eines Genies

Ausstellung zum 500. Todesjahr des Künstlers

3-tägige Kultur- und Studienreise
vom 8. bis 10. April 2016

Jacques Le Boucq, Portrait of Hieronymus Bosch, ca. 1550 Arras, Bibliothèque Municipale

Hieronymus Bosch war einer der bekanntesten und gefragtesten Künstler seiner Zeit. 500 Jahre nach seinem Tod wurde in seiner Heimatstadt 's-Hertogenbosch die bisher größte Ausstellung seiner Werke im Noordbrabants Museum gezeigt. Sein Vermächtnis umfasst ungefähr 45 Gemälde und Zeichnungen, die in achtzehn Sammlungen in über zehn Ländern und auf zwei Kontinenten verteilt sind.

Der größte Teil von Boschs Werken kehrte als Leihgabe aus den führenden Museen der ganzen Welt in seine Geburtsstadt zurück, in der er als Jheronimus van Aken um 1450/1453 geboren wurde und 1516 starb. In 's-Hertogenbosch schuf er seine Meisterwerke und leitete aus dem Namen seiner Stadt auch seinen Künstlernamen Hieronymus Bosch her.

Bildprägend sind bei Bosch die berühmten Fabelwesen, dämonische Figuren, Engel und Heilige. Sein Werk voller Illusionen, wundersamen Ungeheuern und Alpträumen visualisiert die großen Themen seiner Zeit: Verführbarkeit, Sünde und Bußfertigkeit.

Für die Teilnehmer dieser Fahrt bestand im Vorfeld die Möglichkeit an einem Bildvortrag in der Buchhandlung Reuffel teilzunehmen. Dort stellte der Kunsthistoriker Dr. Stefan Fischer verschiedene Werke von H. Bosch in Wort und Bild vor. Diese Einführung war für das Verständnis der Bilder und Zeichnungen von Bosch sehr hilfreich und eine gute Einstimmung auf unsere Fahrt.

Neben 's-Hertogenbosch haben wir bei dieser Reise auch die Nachbarstädte Breda, Heusden und Eindhoven kennengelernt.

1.Tag, Freitag: Fahrt nach 's-Hertogenbosch, Besuch der Ausstellung
Nach rund drei Stunden Fahrt erreichten wir mit unserem bewährten Fahrer Jakob die Hauptstadt Nordbrabants. Am Markt wurden wir im Hotel Golden Tulip mit einem „Bossche Bol“ – einem gefüllten Windbeutel mit Schokoüberzug – und einem Kaffee begrüßt. So gestärkt war im Anschluss noch etwas Zeit um bei Sonnenschein über den Markt zu schlendern, bevor sich unsere Stadtführer meldeten. In drei Gruppen unternahmen wir eine rund dreistündige Besichtigung der Stadt. Als erstes begann eine Gruppe mit dem Aufstieg des Sint-Janstowers , während die beiden anderen Gruppen zur Besichtigung der Sint-Jans-Kathedrale aufbrachen.

's-Hertogenbosch, Walze für Glockenspiel

Im Turm war der Mechanismus der Uhr und des Glockenspiels und sowie die Konstruktion zu sehen. In 43 m Höhe ging es dann auf vier Aussichtsterrassen, von denen man einen herrlichen Blick über das lange Kirchenschiff und seinen Skulpturenschmuck hatte, sowie über die Stadt und ihre Ausdehnung. Der mittelalterliche Kern der Stadt liegt auf einem kleinen Hügel inmitten eines ehemaligen Sumpfgebietes, heute von Kanälen und Flüsschen durchzogen. Mit verschiedenen Eingemeindungen kommt Den Bosch, wie die Einheimischen sagen, heute auf ca. 144.000 Einwohner.

's-Hertogenbosch, Kathedrale

Nach dem Abstieg über die sehr engen Wendeltreppen besuchten wir das Innere der Kathedrale, die romanischen Ursprungs ist, aber im 15./16. Jh. also zu Lebzeiten von Hieronymus Bosch umgebaut wurde. Diese Kirche gilt als eine der kulturell wichtigsten in den Niederlanden, sie ist auch eine Wallfahrtskirche. In der Bruderschaftskapelle von Onze Lieve Vrouw steht eine wunderschöne Madonna von 1380, der mehrere Wunder zugesprochen werden. Hieronymus Bosch gehörte dieser Bruderschaft an, kannte die Madonna und hat für die Kapelle ein Triptychon gemalt. Die Kirche beeindruckt durch ihre enorme Größe und ihren Skulpturenschmuck.

's-Hertogenbosch steht ganz im Zeichen von H. Bosch

Beim Rundgang durch die Stadt sahen wir alte Stadttore, schöne Gassen und Kanäle. Überall waren Bilder und auch Figuren von Hieronymus Bosch zu sehen. Am großen Markt betrachteten wir das Elternhaus von Bosch und sein späteres Wohnhaus, das seine wohlhabende Frau mit in die Ehe brachte.

Anschließend trafen sich alle Gruppen im Restaurant Picasso zum etwas späten Mittagessen. Das Essen war gut, zog sich aber in die Länge, sodass wir nicht mehr zum Dessert kamen, denn von 16 bis 17 Uhr war unser Zeitfenster für die Besichtigung der Ausstellung. Im Noordbrabants Museum mussten wir uns erst einmal in Schlangen einreihen. Diese Sonderausstellung war nämlich völlig ausgebucht und wurde von insgesamt über 421.000 Besuchern gesehen. Die Stadt steht während des ganzen Jahres 2016 noch unter dem Eindruck ihres großen Sohnes. Im Museum selbst wurden wir per Audioguide und einem Begleitheft durch alle Räume geführt und gut informiert. Neben den großen Triptychen gab es Monitore mit Animationen, die z.B. mit Detailaufnahmen Inhalt und Art des Bildes erklärten. Da unser Zeitfenster nach hinten offen war, überzogen fast alle den Besuch um mehr als eine Stunde.

Nach langer Wartezeit an der Garderobe schafften es aber alle gegen 18.30 Uhr zum Bus zu gehen und sich erschöpft in die Sitze fallen zu lassen. Unser Hotel im Vorort Vught war schnell erreicht. Nach dem Einchecken und dem Bezug der sehr geräumigen Zimmer kamen wir pünktlich um 19.30 Uhr zum Abendessen zusammen. Der lange Tag mit seinen vielen Eindrücken zeigte doch Wirkung und so gingen alle nach dem Essen gleich aufs Zimmer.

2.Tag, Samstag: Breda und Heusden
Bei Bildungsvereinswetter, d.h. strahlend schön, fuhren wir 55 km in den Süden Nordbrabants nach Breda. In der „Nassaustadt“, wie sie sich selbst nennt, kommen die Flüsse Aa und Mark zusammen und bilden die „Breda Aa“, woraus sich der Name der Stadt ergibt. Durch Eingemeindungen ist sie heute eine Großstadt mit 180.000 Einwohnern. Seit dem frühen Mittelalter war Breda eine bekannte Tuchmacherstadt mit vielen historischen Gebäuden. Breda war Vertragsort von mehreren Friedensverträgen und in ganz Europa bekannt, z.B. 1575 Friedensvertrag zwischen Spanien und den niederländischen Provinzen, 1667 Friedensschluss zwischen Holland und England nach langem Seekrieg. Wieder aufgeteilt in zwei Gruppen begannen wir unsere zweistündige Stadtführung im Stadtpark Valkenberg, der bis 1812 königlicher Park und Teil des Schlosses war.

Breda, Das Schloss beherbergt die Königl. Militärakademie

Dort erklärte uns der Fremdenführer – ein ehemaliger Militäroberst – wie für die Prinzessin des Grafen ein Ehemann gesucht wurde und man einen Prinzen aus Nassau fand. Damit war die Dynastie der Nassau-Oranier gegründet, die bis heute den König stellt. Dann ging es zuerst zur weithin sichtbaren Kathedrale mit ihrem hohen Turm. In dieser Kirche aus dem 13. Jh. hat der Großvater von Vincent van Gogh gepredigt.

Breda, Grabdenkmal von Engelbert II von Nassau u. Cimburga v. Baden (hst. Aufn.)

Besonders sehenswert ist das Grabdenkmal von Cimburga von Baden und Engelbert II von Nassau (1451–1504), die im Januar 1469 in Koblenz geheiratet hatten. Nach der Besichtigung der Liebfrauenkirche ging es über den großen Markt, auf dem die umfangreiche Außenbestuhlung auffiel, zum ehemaligen Stadtschloss.

Breda: Befestigungsanlage vor dem Stadtschloss

Dieses Schloss – eine ehemalige Festung von 1350 – zeigt die historische Verbindung zwischen Breda und dem Haus der Nassau-Oranier. Seit 1828 hat das Kastell seine heutige Funktion als Königliche Militärakademie und ist nur von außen zugänglich.

Breda: Gruppenfoto während der Stadtführung

Zum Abschluss spazierten wir in den ältesten Beginenhof Hollands, der schon 1267 gegründet wurde. Bis 1990 war der Hof noch von Beginen bewohnt. Heute kann in den kleinen Häuschen jeder wohnen. Die Häuser umschließen einen Innenhof mit Kräutergärten.

Breda, Beginenhof

Nach einer Mittagspause in der Sonne am Großen Markt ging es weiter in die Festungsstadt Heusden, die an einem Seitenarm der Maas liegt, von Kanälen durchzogen und von Wällen und Gräben umschlossen ist. Wenn man durch die malerischen Straßen spaziert, wähnt man sich im 17. oder 18. Jahrhundert.

Heusden, Der Hafen mit den beiden Windmühlen

Es gibt einen kleinen Innenhafen mit zwei alten Windmühlen und geräumige Häfen außerhalb der Stadt. Obwohl Heusden unter Denkmalschutz steht, ist es kein Freilichtmuseum. Die Bewohner leben und arbeiten in ihrem alten Städtchen, das außergewöhnliche Geschäfte, Galerien und zahlreiche Restaurants hat. Bei einer Stadtführung (wieder in zwei Gruppen) konnten wir bei herrlichstem Wetter dies alles genießen.

Im Krieg gegen die Spanier wurde auch Heusden im 16. Jh. zu einer Festung ausgebaut. 1821 wurden aber die Festungswerke geschleift. Dank einer alten Kartografie aus dem Jahr 1649 konnten seit 1966 rund 32 Hektar der alten Festungsstadt wieder rekonstruiert werden. Von den Wällen hat man einen Eindruck von der Weite der Landschaft.

Heusden, Festungsanlage

Nach einer Kaffeepause ging es wieder zurück nach Den Bosch. Am dortigen Paradeplatz an der Kathedrale konnte wer wollte aussteigen und in der Stadt bummeln. Unser etwas außerhalb liegendes Hotel konnte man dann mit einem Taxi zum Spezialpreis von 5 € für vier Personen wieder erreichen. Dieses Shuttleangebot nutzten auch am Abend etliche von uns.

3.Tag, Sonntag: Eindhoven und Thorn, Rückreise
Zwar machten wir uns um 9 Uhr auf die Rückreise, aber gemäß dem Motto „der Weg ist das Ziel“ legten wir in Eindhoven einen langen Halt ein. Eindhoven ist heute eine moderne Einkaufs- und Designstadt mit ca. 220.000 Einwohnern. Schon 1232 erhielt sie die Stadtrechte, wurde um 1388 mit Verteidigungsanlagen ausgebaut. Trotzdem wurde die Stadt mehrmals geplündert und niedergebrannt. Dank der industriellen Entwicklung und der Ansiedlung der Glühlampenfabrik Philips entwickelte sich die Stadt rasch. Auch die DAF-Automobile trugen zur Expansion bei. Während des 2. Weltkrieges war die Stadt wichtiges Angriffsziel der Alliierten, da Philips für die deutsche Wehrmacht arbeiten musste. So blieben nur wenige historische Gebäude erhalten, was den modernen Charakter der Stadt erklärt.

Eindhoven ist eine moderne Großstadt

Heute gilt Eindhoven als Technologiezentrum der Niederlande mit einer bedeutenden TH. Auch seine Design-Akademie, 1947 gegründet, gilt führend in Europa. Bei zwei Stadtführungen erfuhren wir, dass Philips inzwischen große Produktions- und Verwaltungszentren aus der Innenstadt verlagert und auch an andere Orte verlegt hat. Die ehemaligen Verwaltungsgebäude wurden restauriert und zu Wohnungen umfunktioniert, aus Maschinenhallen wurden Restaurants und Designwerkstätten oder Museen. Moderne Gebäude von namhaften Architekten prägen das Stadtbild.

Auch das neue van Abbe-Museum mit seiner modernen Architektur im Fluss trägt dazu bei. Es ist nun Heimat für moderne und zeitgenössische Kunst. Viele Einkaufszentren, Museen und Restaurants führen zu einem pulsierenden Leben in der Stadt.

Nach einer längeren Mittagspause, in der auch die Möglichkeit zum Besuch des Abbe- und Philips-Museums und zum Shoppen bestand, denn in Holland haben Sonntags ab Mittag die Läden auf, ging es weiter Richtung deutsche Grenze.

Thorn, Die weiße Stadt

Bei Roermond legten wir noch mal einen Halt in dem kleinen Städtchen Thorn ein, das etwa 3000 Einwohner hat. Der Ort ist aus einer 975 gegründeten Benediktinerinnenabtei hervorgegangen. Im Laufe des 12. Jhs. wandelte sich die Abtei in ein freiweltliches Damenstift, in das nur unverheiratete Damen aus dem Hochadel eintreten konnten. Die romanische Abteikirche wurde in gotischer Zeit umgebaut und erhielt im Barock eine üppige Innenausstattung. Heute ist sie Museum. Dieses adlige Damenstift machte Thorn zu einer wohlhabenden Stadt. Über 800 Jahre lang war sie das Zentrum eines von Äbtissinnen regierten Fürstentums. Das „Land von Thorn“ prägte sogar eigene Münzen und hatte eine eigene Rechtsprechung. 1794 marschierten die Franzosen ein, konfiszierten das Stift und beendeten die Jahrhunderte dauernde weibliche Herrschaft. Die von den Franzosen eingeführte Fenstersteuer, die sich nach Größe und Anzahl er Fenster bemaß, zwang die Bevölkerung zum Umbau ihrer Häuser. Um die verschiedenen Steine zu kaschieren, übertünchten sie ihre gesamte Stadt mit weißem Kalk.

Mit einer Vielzahl von neuen Eindrücken ging es in gut zwei Stunden wieder nach Koblenz zurück und eine intensive Reise fand ihr Ende.

Termin: Freitag, 8. April 2016
Abfahrt: 7.00 Uhr, Koblenz, Reisebusbahnhof
Rückkunft: Sonntag, 10. April, gegen 20.00 Uhr
Reisepreis:
Mitglieder: 306,00 € p.P. im DZ;  Gäste: 321,00 € p.P. im DZ
EZ-Zuschlag: 60,00 €

Leistungen:

  • Fahrt in modernem Fernreisebus
  • 2 Übernachtungen mit Frühstück, 1 Abendessen im Van der Valk-Hotel 's-Hertogenbosch-Vught
  • Eintritt Sonderausstellung Hieronymus Bosch mit Audioguide
  • Stadtführungen 's-Hertogenbosch, Breda, Heusden und Eindhoven
  • Mittagessen in 's-Hertogenbosch
  • Reiseleitung durch Koblenzer Bildungsverein

Leitung, Bericht und Fotos: Elke Arenz

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