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Kultur und Natur im Trentino

8-tägige Kultur- und Studienreise
vom 22. bis 29. Mai 2016

1. Tag, Sonntag; 22. Mai: Anreise nach Levico Terme

Mit 47 Personen und unserem bewährten Busfahrer Jakob Hauprichs fuhren wir über den Fernpass und den Brenner ins Trentino, den italienischsprachigen Teil der Region Trentino-Südtirol. Wir wohnten in Levico Terme im von der Brenta durchflossenen Valsugana (Sugana-Tal).

Levico Therme, Blick aus dem Hotelzimmer

Im Vier-Sterne Parc Hotel du Lac hatten wir ruhige Zimmer, alle mit Blick auf den Lago di Levico, eine gute Verpflegung und ausgezeichneten Service. Während der zahlreichen Besichtigungen der kommenden Tage war uns Monica Dallona eine kenntnisreiche Führerin.

2. Tag, Montag, 23. Mai: Levico Terme, Borgo Valsugana, Artesella

Am Vormittag führte uns Monica zunächst durch Levico Terme. Der von den Römern an der Via Claudia Augusta gegründete Ort war einst Sommerresidenz der Habsburger, heute ein typisches Provinzstädtchen mit kleinen Läden und Trattorias. Hier hatte im Jahre 1944 – wir staunten nicht schlecht – die deutsche Kriegsmarine ihr Hauptquartier.

Anschließend fuhren wir nach Borgo Valsugana. Mitten durch den Ort fließt die Brenta, oberhalb dominiert das Castel Telvana die Landschaft. Es wurde wegen seiner großen strategischen Bedeutung mehrfach erbittert umkämpft. Der alte Ortskern zeigt mit seinen vielen Winkeln und Gassen starken venezianischen Einfluss.

Borgo, Fresken in der Chiesa di San Rocco

In der Chiesa di San Rocco erstaunte uns ein gut erhaltener Freskenzyklus des Trentiners Franceso Corradi aus dem Jahre 1516. Nach einem ländlichen Imbiss in der Trattoria „Al Legno“ im Val di Sella stand ein Besuch im Skulpturenpark Artesella auf dem Programm.

Trentino: Regen sorgte im Val di Sella für eine zeitigere Umkehr

Pünktlich begann starker Regen, so dass die Gruppe nasser und nasser und daher kleiner und kleiner wurde und schließlich umkehrte, ohne alle 30 Kunstwerke gesehen zu haben.

Am Abend konnten wir auf Castel Pergine ein festliches Essen genießen. Die Burg steht an bevorzugter Lage eindrucksvoll auf dem Tegazzo-Hügel. Sie wurde im 13. Jh. zur mittelalterlichen Festung erweitert und gehörte lange Zeit – während der Herrschaft von Margarete Maultasch und später von Maximilian I. – den Tiroler Fürsten.

Trentino: Festliches Abendessen auf Castel Bergine

Nach zwanzigminütigem Anstieg und einem Prosecco als Willkommenstrunk mundete allen das Festmahl:

  • Gemüseflan auf Käsecreme mit knusprigem Speck
  • Brot-Lauch-Gnocchi mit Pilzschaum, Speck und Tannensprossen dazu ein Chardonnay aus dem Trentino
  • Geschmortes Rinderbäckchen an Rotweinsauce mit Thymiankarotten und Kartoffelpüree mit Zitrone dazu ein roter Teroldego aus dem Trentino
  • Pfirsichsalat, Lakritze-Sauce und Mascarpone-Mousse danach ein Passito (Dessertwein), ein Espresso und ein Grappa.

3. Tag, Dienstag, 24. Mai: Trento/Trient

Der Dienstag stand ganz im Zeichen der Konzilsstadt und Renaissanceperle Trento (Trient), Hauptstadt der autonomen Provinz Trentino und vom 13. Jh. an bis 1796 Residenzstadt der Fürstbischöfe von Trento. Monica zeigte uns das historische Zentrum: Piazza del Duomo mit der Fontana del Nettuno, dem Palazzo Pretorio aus romanischer Zeit, der mächtigen Torre Civica, der Kathedrale di San Vigilio und die Via Belenzani mit schönen freskenbemalten Stadtpalästen.

Trient, Castello del Buonconsiglio

Mit einer Führung besichtigten wir das Castello del Buonconsiglio, ein imposantes Ensemble aus mehreren Bauwerken, die sich an die Stadtmauer anschmiegen. Es war ab der zweiten Hälfte des 13. Jhs. bis zum Einzug der napoleonischen Truppen im Jahre 1796 die Residenz der Fürstbischöfe von Trient.

Hier tagte zwischen 1545 und 1563 das Konzil von Trient als 19. ökumenisches Konzil der katholischen Kirche. Es wurde auf Drängen von Kaiser Karl V. als Reaktion auf die Reformation Martin Luthers einberufen. 1564 bestätigte Papst Pius IV. die Beschlüsse des Konzils, die meist bis heute innerhalb der katholischen Kirche als verbindlich gelten.

Trient: Im Palazzo del Buonconsiglio

Heute werden in den Räumen wertvolle Sammlungen gezeigt, sowohl mit mittelalterlicher als auch moderner Kunst. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung; einige besuchten die „unterirdische“ römische Stadt, andere das neue Wissenschaftsmuseum „MUSE“.

4. Tag, Mittwoch, 25. Mai: Dolomitenrundfahrt

Wegen ihrer überwältigen Schönheit, ihrer geologischen Einzigartigkeit und ihrer vielfältigen Flora und Fauna wurden die Dolomiten am 26. Juni 2009 zum Welterbe der UNESCO erhoben. Unsere Dolomitenrundfahrt begann mit einem halbstündigen Aufstieg vom Cembratal zu den Erdpyramiden von Segonzano. Dort war 1493 auch Albrecht Dürer während seiner dreijährigen Wanderschaft unterwegs und es entstanden seine ersten Landschaftsaquarelle.

Trentino, Erdpyramiden im Cembratal

In Predazzo im Fleimstal (Val di Fiemme) erfuhren wir Wissenswertes über die Käsezubereitung in einer genossenschaftlichen Käserei.

Trentino, Besichtigung der Caseificio Sociale in Cavalese

Nach Angaben der Geschäftsführerin zahlt der Betrieb den Landwirten 60 ct für den Liter Milch!. Ein Imbiss mit verschiedenen Käsesorten und Speck schloss sich an.

Bei einer Führung durch die kleine Chiesa di San Nicoló staunten wir über die mittelalterlichen Fresken.

Blick vom Passo Rolle auf den Cimon della Pala (3184m)

Im „Parco Naturale Paneveggio – Pale die San Martino“ liegt auf 1.989 Metern der Passo Rolle. Dort legten wir einen Fotohalt vor der beeindruckenden Pala-Gruppe ein. Die zweithöchste Erhebung ist der 3.184 Meter hohe Cimon della Pala, der aufgrund seiner charakteristischen Form häufig als das „Matterhorn der Dolomiten“ bezeichnet wird. Über San Martino di Castrozza und Fiera di Primiero ging es zurück ins Hotel.

5. Tag, Donnerstag, 26. Mai:  Rovereto

Am Donnerstag fuhren wir zunächst nach Rovereto, einst zur Republik Venedig gehörend, das dominiert wird von der Festung aus dem 14. Jh. Eine Škoda-Kanone am Fuße des Castels erinnert an die beiden Weltkriege, unter denen auch Rovereto stark gelitten hat. Wir besuchten daher zunächst auf einer Anhöhe über der Stadt „La Campana die Caduti“ (Denkmal der Gefallenen) mit einem eindrucksvollen Museum.

Rovereto, Gruppe vor der Glocke „Maria Dolens“ am Denkmal der Gefallenen

Die in Rom von Papst Paul VI. gesegnete Glocke „Maria Dolens“ schlägt an jedem Abend einhundert Mal zum Gedenken an die Gefallenen der Kriege in aller Welt.

In der Stadt hat Venedig seine Spuren hinterlassen, beispielsweise im Rathaus Palazzo Municipale und in der Kirche San Marco.

Trentino: Revereto, Palazzo Rosmini

Auch die Palazzi Piamaria, Annona, die Cassa di Risparmio (Sparkasse), der Palazzo Rosmini und das Theater Zandonai zeugen von einer glanzvollen Vergangenheit. Mittags erwartete uns im Agriturismo Berry House in Vigolo Vattaro ein ausgiebiges ländliches Mittagessen mit verschiedenen Käse-, Wurst- und Schinkensorten, Speckknödel mit Pilzsauce, Himbeer-Eis; auch Rotwein und Weißwein fehlten nicht.

Der Rest des Tages stand in Levico Terme zur freien Verfügung und wurde entweder zu einem Spaziergang am See oder zur Entspannung in der Badelandschaft des Hotels genutzt.

6. Tag, Freitag, 27. Mai: Bassano del Grappa, Marostica

Durch das Tal der Brenta fuhren wir zunächst nach Valstanga mit seiner Chiesa di Sant’ Antonio Abate im Stile der venezianischen Renaissance. Den linken Seitenaltar schmückt ein Gemälde der Geburt Christi von Jacopo Bassano und seinem Sohn Francesco aus dem 16. Jh. Über die alte Via Claudia Augusta ging es weiter nach Bassano del Grappa, überragt vom Monte Grappa, welcher der einst venezianischen Stadt ihren Beinamen eingebracht hat.

Monica zeigte uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt, die mit Fresken verzierten Fassaden, darunter das älteste Gebäude der Stadt „Monte di Pietá“, im Mittelalter Getreidespeicher und zugleich Pfandhaus (!). Nachdenklich stimmte die Straße der Martyrer, an deren Bäumen Gedenktafeln mit immer frischen Blumen an die im September 1944 von den Faschisten erhängten Freiheitskämpfer mahnen. Wahrzeichen der Stadt ist die bekannte „Ponte degli alpini“ (Alpini-Brücke) über die Brenta, die auf Pläne des berühmten Architekten Andrea Palladio aus dem Jahre 1569 zurückgeht.

Trentino: Bassno del Grappa, Blick auf Stadt und Brenta

Hinter der Brücke das anrührende Denkmal „Il Bacio“ (der Kuss), das den Abschied eines Alpini-Soldaten von seinem Mädchen zeigt. In Bassano standen gleich zwei Distillerien für einen Grappa oder einen Campari zur Auswahl: Nardini und Poli. Eine Besichtigung der 1898 gegründeten Distilleria Poli im nahegelegenen Schiavon schloss sich an, Alberto Agosti begrüßte uns; er kannte Koblenz und die beiden Pizzerien „Il Sole“ und „La Gondola“.

Trentino: Schiavon, Gruppenfoto in der Destillerie Poli

Temperamentvoll führte uns Elena durch den Betrieb, die mit einer ausgiebigen Probe der rund 20 verschiedenen Grappa-Sorten endete.

Trentino: Marostica, La Piazza

Manch einer musste sich zurückhalten, da wir auf der Rückfahrt zum Hotel noch einen Zwischenhalt im Städtchen Marostica einlegten.

Auch Marostica war im 14. Jh. eine venezianische Festung, und wird vom Castello superiore und Castello inferiore (obere und untere Festung) überragt und ist mit einer fast vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben.

7. Tag, Samstag, 28. Mai: Val di Non, Castel Thun

Am vorletzten Tag lag unser Ziel im Val di Non, dem „Reich der Apfelgärten“ westlich der Etsch. Zunächst besichtigten wir das Castel Thun, das sich auf einem Hügel über Vigo di Ton erhebt.

Trentino: Castel Thun

Die ehemalige Trentiner Adelsresidenz weist noch die Original-Einrichtung auf und wurde bis 2010 umfangreich restauriert. Die spätmittelalterlichen Fresken in der Schlosskapelle erzählen vom Leben der hl. Barbara. Die Bäckerei, die alte und die neue Küche, Loggia, Speisezimmer, das Zimmer der Gräfin und des Grafen vermitteln einen Eindruck vom mittelalterlichen Leben.

Den Tagesabschluss bildete ein umfangreiches Apfelmenu bei Maria Cecilia in Tres: Apfel-Prosecco, Apfelpizza, Schweinefleisch mit gedünsteten Apfelscheiben, Halbgefrorenes mit Apfelkompott und Espresso mit Apfelschnaps.

Ein Ständchen mit italienischen Volksliedern

Krönung des Tages war ein Ständchen mit italienischen Volksliedern, das uns eine Kapelle aus Lavis brachte, deren Dirigent seinen 30. Hochzeitstag feierte.

8. Tag, Sonntag, 29. Mai: Rückfahrt nach Koblenz

Am Sonntag hieß es Abschied vom Trentino zu nehmen und die Heimfahrt anzutreten. In der Alten Post in Holzkirchen genossen wir ein zünftiges Mittagessen, kamen aber, da auf der Autobahn A3 praktisch Dauerstau herrschte, mit rund 2 ½ Stunden Verspätung in Koblenz an.

Termin: Sonntag, 22. Mai 2016
Abfahrt:
6.00 Uhr, Koblenz, Reisebusbahnhof (Sparda-Bank)
Rückkunft: Sonntag, 29. Mai, gegen 20.00 Uhr
Preis:
Mitglieder: 875,00 € p.P. im DZ; Gäste: 890,00 € p.P. im DZ
EZ-Zuschlag: 105,00 €
Leitung: Romy Zahren, Hans-Jürgen Wenzel

Leistungen:

  • Busfahrt in modernem Fern-Reisebus
  • 7 Übernachtungen mit Frühstück, 6x Halbpension im 4-Sterne Parc Hotel du Lac am Lago Levico
  • Kostenfreie Benutzung des Wellnessbereiches mit finnischer Außensauna, türkischem Dampfbad und Fitnesssaal
  • Führungen und Eintritte gemäß Programm
  • Abendessen Castel Pergine
  • Mittagsimbiss Arte Sella und in der Käserei
  • Mittagessen im Raum Rovereto und Apfelmenü im Val di Non
  • 6-tägige deutschsprachige einheimische Reiseleiterin
  • Reiseleitung durch Koblenzer Bildungsverein

Bericht: Hans-Jürgen Wenzel; Fotos: H.J. Wenzel und Frank Schliephake

 

 

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