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Leuchttürme Belgiens

Brüssel, Mons und Tournai mit Ausflug nach Lens

7-tägige Kultur- und Studienreise über Karneval
vom 11. bis 17. Februar 2015

Die erste Mehrtagesreise für 2015 führte uns nach Brüssel - auf der Anreise besuchten wir Waterloo. In der Kulturmetropole Brüssel zeigten zwei Stadtrundfahrten die unterschiedlichen Gesichter der belgischen Hauptstadt. Dort hatten wir drei Übernachtungen.

Der zweite Teil der Studienreise führte uns in den Hennegau, eine wenig bekannte Region Belgiens an der französischen Grenze, die aufgrund ihrer besonderen Reize (noch) ein echter Geheimtipp ist. Die Region im westlichen Teil der Wallonie beeindruckt mit Vielfalt: Industriegeschichte, Natur und architektonischen Schätzen. Besonders sehenswert war unser zweites Standquartier, die alte Tuchmacherstadt Mons mit ihrem Marktplatz, prächtigen Bürgerhäusern und dem gotischen Rathaus. Von dort unternahmen wir einen Abstecher zur neuen Dépendance des Louvre in Lens und zum Piscine-Museum in Roubaix. Außerdem besuchten wir Tournai, die ehemalige Hauptstadt der fränkischen Könige. Sie besitzt mit der Kathedrale Notre Dame ein Juwel romanischer Baukunst. Die fünftürmige Kirche und der älteste Belfried Belgiens gehören ebenso zum UNESCO-Weltkulturerbe wie der barocke Belfried im Städtchen Mons. Am Tag der Rückfahrt sahen wir noch Mechelen, die frühere Hauptstadt der ehemaligen Niederlande. Die Stadt ist stolz auf ihre vier UNESCO-Weltkulturerbestätten, darunter die einzige Glockenspielschule der Welt. Bei der Fahrt lernten wir natürlich auch die Traditionen und Spezialitäten der Regionen kennen.

1. Tag, Mittwoch: Anreise über Waterloo nach Brüssel
Während der Anreise erhielten  die Teilnehmer von der Reiseleitung eine umfangreiche Mappe mit dem geplanten Ablauf, nützlichen Informationen über die einzelnen Ziele und einem Stadtplan von Brüssel und der Wallonie.

Die erste Etappe führte nach La Hulpe in der Nähe von Brüssel mit der Besichtigung des Museums des - bei uns so gut wie unbekannten - belgischen Künstlers Jean-Michel Folon (1934 bis 2005). Die im Gutshof des Schlosses von La Hulpe im Herzen des schönen Solvay-Parks in 15 Ausstellungssälen 300 ausgestellten Arbeiten - zwischen Surrealismus, Melancholie, zarten Aquarellen und poetischen Skulpturen - strahlen eine Faszination bei den Betrachtern aus. Es ist erstaunlich wie der Künstler oftmals mit wenigen Pinselstrichen ein Bild erzeugen konnte. Dies wird z.B. in einer Videoschau demonstriert. Der Künstler hat auch viele Plakate für Kunstausstellungen in aller Welt entworfen.

La Hulpe: Grafiken von Jean-Michel Folon

In der dem Museum angeschlossenen Taverne „L'Homme bleue“ stärkten sich die Teilnehmer bei einem gemeinsamen Mittagessen bevor es in das nahe gelegene Waterloo ging, wo sich in diesem Jahr die berühmte Schlacht zum 200 mal jährt, Die Niederlage der von Napoleon geführten Franzosen gegen die alliierten Truppen unter General Wellington und die mit ihnen verbündeten Preußen unter Feldmarschall Blücher beendete Napoleons Herrschaft der Hundert Tage und führte mit dessen endgültiger Abdankung am 22. Juni 1815 zum Ende des Französischen Kaiserreichs. Wenig ist in der Landschaft verändert seit der großen Schlacht.

Waterloo, Herr Regis erläutert das Schlachtfeld

Vom Löwenhügel, dessen Gipfel mit 226 Stufen erobert werden muss, hat man einen Blick über das gesamte Schlachtfeld, auf dem sich am 18. Juni 1815 rund 200.000 Soldaten aus sieben Nationen gegenüber standen. Das Panorama, ein Rundbau mit einem beeindruckenden Gemälde, hergestellt im Jahre 1912, mit einer Höhe von 12 m und einem Umfang von 110 m, versetzt den Betrachter mitten in die Schlacht. Vor der Weiterfahrt nach Brüssel zeigten uns die Führer noch das in einem kleinen Bauerndorf gelegene, an die Preußen erinnernde Denkmal. Nach dem Bezug der Zimmer wurde der Abend beendet bei einem gemeinsamen, typisch belgischen Abendessen im Restaurant „Chez Leon“ in der Nähe des Grand Place bei Gulasch mit Pommes Frites und dunklem belgischen Bier.

2. Tag, Donnerstag: Brüssel
An den nächsten beiden Tagen zeigte uns unser sachkundiger Führer Sascha von der Firma Babbelbus die Vielseitigkeit der belgischen Hauptstadt.

Brüssel, Das Atomium leuchtet in der Morgensonne

Am ersten Tag die berühmtesten Sehenswürdigkeiten das neu erstrahlte Atomium, den Königlichen Palast mit seinen Gewächshäusern, den Triumphbogen und die imposanten Hochhäuser des Europa-Distrikts.

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Der Verfasser besuchte den Flohmarkt „Place du Jeu de Balle“ im Herzen der Marolle und den Justizpalast.

3. Tag, Freitag: Jugendstil in Brüssel
Der Freitag stand im Zeichen des Jugendstils. Brüssel verfügt - neben Barcelona, Riga und Wien - über ein außerordentlich reiches und vielfältiges Jugendstilerbe. Daran hatte vor allem der berühmte Architekt Victor Horta (1861–1947) einen bedeutenden Anteil.

Brüssel, Jugendstil mit Stadtführer Sascha

Bei unserer Rundfahrt sahen wir eine große Anzahl der insgesamt 500 Fassaden und Gebäude z.B. die äußere Fassade des Victor-Horta Museums.

Brüssel, Schokoladenkunst

Der Nachmittag wurde genutzt, um sich von der Brüsseler Schokoladenkunst zu überzeugen, und der Abend bei einem leckeren Abendessen am Fischmarkt abgeschlossen.

4. Tag, Samstag: Mons
Die zweite Etappe der Reise führte uns nach Mons, eine der Kulturhauptstädte Europas 2015. Die alte Tuchmacherstadt war während des 19. und 20. Jh. das Verwaltungszentrum des Kohlebergbaus in der Wallonie. Die bürgerlichen und kirchlichen Bauwerke in den kleinen Gassen waren Mittelpunkt der Stadtführung.

Mons, Gotisches Rathaus

Besonders sehenswert ist der Marktplatz mit seinen prächtigen Bürgerhäusern und dem gotischen Hotel de Ville. Viele von uns streichelten den Kopf des gusseisernen Affen am vorderen Eingang, eine Geste, die Glück bringen soll. Besonders sehenswert die Stiftskirche St. Waltrudis, in der der prächtige Car d'Or (Goldene Wagen) steht, in dem beim alljährlichen Doudou-Fest die Reliquien der Heiligen Waltrudis durch die Stadt gefahren werden. Ein kleiner Aufstieg führt zum frei stehenden 87 Meter hohen barocken Belfried mit einem Spiel von 49 Glocken. Der Belfried wird anlässlich des Kulturjahres an den Abenden mit einem blauen Licht beleuchtet. Schon Victor Hugo fand den Belfried bemerkenswert, als er im 19. Jh. nach Mons kam: „Stell dir eine riesige Kaffeekanne vor, die unten von vier kleineren Teekannen umringt ist“, so schrieb er an seine Frau. Der Turm steht heute auf der Weltkulturerbe-Liste. Leider wird er erst ab Juni begehbar. Im übrigen war feststellbar, dass viele Projekt nicht rechtzeitig zur Eröffnung des Kulturjahres festgestellt waren.

Danach erfolgte der Besuch der Sonderausstellung „Van Gogh im Borinage, die Geburt eines Künstlers“, in der 60-70 Gemälde und Zeichnungen aus diversen internationalen Ausstellungen zu sehen sind. Während seines beinahe zweijährigen Aufenthalts im Borinage und in Mons beendete Vincent Van Gogh (1853 - 1890) seine Karriere als Prediger und entschied sich für die Künstlerlaufbahn. Die Ausstellung zeigt eine ganz andere Seite von Van Gogh, der sich in seinen Werken insbesondere dem Leben und der Arbeit als Bergarbeiter, Weber oder Bauer in dem ehemaligen Kohlerevier widmete. Außer den Gemälden und Zeichnungen waren Orginalbriefe van Goghs aus dem Borinage zu sehen.

Cuesmes, Gruppe vor der Maison van Gogh

Zum Abschluss sahen wir das kleine Ziegelhaus „Maison van Gogh“ in dem nahe gelegenen Cuesmes, in dem der Künstler zur Zeit seines Aufenthaltes bei einer Bergarbeiterfamilie wohnte. Er habe die Gegend nie vergessen können, notiert van Gogh noch Jahre später. Die Ausstellung war mehr als beeindruckend, das Team beim Gruppenschalter im Museum befand sich allerdings noch in der Trainingsphase.

Der Abend wurde beendet bei einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant Le St. Germain am Grand Place, in dem auch viele Einheimische den Valentins Tag festlich bei einem Abendessen feierten.

5. Tag, Sonntag: Louvre in Lens, Roubaix
Am fünften Tag war die nordfranzösische Stadt Lens unser erstes Ziel, in der am 4. Dezember 2012 eine Depandance des Pariser Louvre auf einem großen, ehemaligen Bergbaugebiet eingeweiht wurde. Die beeindruckende Architektur des Museums wurde vom japanischen Architekten SANAA erdacht und zeigt sich in Form eines Kranzes von Gebäuden, mit durchsichtigen Fassaden aus Glas und Aluminium.

Lens, Depandance des Louvre

In einer völlig neuen Konzeption werden in der „Galerie der Zeit“ 205 Werke ausgestellt, die in drei Epochen dargestellt sind. In der großen Glashalle fällt von einer leicht erhöhten Plattform aus der Blick auf die auf dem leicht abfallenden Fußboden positionierte Sammlung großer Meisterwerke mit bedeutenden Künstlern, z.B. Botticelli, Raphael, El Greco, Rubens, Rembrandt, Goya und Delacrois. Ein stählernes Metallband an der Längsseite des Raums ordnet die Exponate aus dem Zeitraum zwischen 3000 v. Chr. bis etwa 1860 zu. Daneben konnten wir im Rahmen einer Sonderausstellung Werke aus der Region Nord-Pas de Calais u.a. ein Werk von Matisse sehen. Das Museum besitzt eine umfangreiche Bibliothek und ein großes Lager an Kunstwerken im Keller.

Die Mittagspause wurde genutzt, um vom Garten des Museums aus, einen Blick auf die ehemaligen Kohlefördertürme und Abraumberge zu werfen. Von der Einrichtung des Museums werden - analog der Entwicklung in Bilbao - vom französischen Staat wirtschaftliche Impulse für die ehemalige Bergbauregion erwartet. Anschließend erfolgte bei schönstem Wetter die Fahrt nach Roubaix, in die ehemalige Textilstadt in Nord-Frankreich in der Region Nord-Pas de Calais.

Roubaix: Piscine-Museum im Art-deco-Hallenbad

Wir besuchten das ungewöhnliche „Piscine Museum“ - ein besonderes Highlight. Untergebracht ist es in einem ehemaligen Schwimmbad im Art-Deco-Stil. Das Gebäude ist für sich genommen schon ein Kunstwerk. Ein sachkundiger Führer und eine sachkundige Führerin stellten das Museum aus Industrie- und Textildesign und Malerei des 19. und 20. Jh. vor. Im Zentrum des Museums gruppieren sich um ein Bassin Skulpturen aus Holz, Stein und Bronze, oft in Lebensgröße. Das Schwimmbad hatte bis zu seiner Schließung 1985 zur Erholung der Arbeiter gedient.

6. Tag, Montag: Tournai
Heute stand Tournai - neben Tongeren die älteste Stadt des Königreiches Belgien - auf dem Programm. Am Vormittag besichtigten wir mit unserem Stadtführer Karel Hoffesommer zunächst die Kathedrale Notre-Dame, ein Meisterwerk des mittelalterlichen Abendlandes mit Ihrer Schatzkammer. Berühmt ist die Kathedrale wegen ihres außergewöhnlichen Mittelschiffs im romanischen Stil. Seit 1999, nach dem ein Tornado Teile der Kirche gefährdete, sind Arbeiten zur Stabilisierung und Restaurierung im Gange und sollen noch bis zum Jahre 2022 dauern. Deshalb sind auch viele der Elemente und des Mobilars im Innenraum, insbesondere auch die kostbaren Gemälde z.B. von Rubens zur Zeit nicht zu sehen. Besonders sehenswert ist die Schatzkammer der Kathedrale, in der wertvolle Reliquien, Kirchengewänder, historische Dokumente und Schreine der Muttergottes und des heiligen Eleutherius aufbewahrt werden.

Imposant ist auch der 72 m hohe, älteste Belfried (Glockenturm) Belgiens. Die fünftürmige Kirche und der Belfried gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eine weitere Attraktion ist der Grand Place. Bemerkensweert ist, dass auf den Fassaden der Häuser verschiedene Baustile nebeneinander stehen: romanische Häuser (die ältesten Westeuropas), gotischer Baustil, Renaissance-, im Ludwig XI.-, im klassizistischen Stil oder Jugendstil. Daneben sind sie mit bunten großen Fahnen der Zünfte geschmückt, eine schmückende Dekoration wie man sie eigentlich in Mons erwartet hätte. Am Weg zum Museum der schönen Künste liegt das Rathaus, der frühere Palast der ehemaligen Sankt Martinsabtei, ein Gebäude im klassischen Stil des 18. Jh., dessen Rückseite ein schönes neugotisches Kloster ist.

Tournai, Museum der Schönen Künste

Das Museum der schönen Künste wurde vom bedeutenden Jugendstilarchitekten Horta entworfen. Mit der Anordnung seiner Räume rund um eine zentrale, vieleckige, vom Licht überflutete Halle ist das Gebäude allein schon sehenswert. Meisterwerke vom 15. Jh bis zur Gegenwart werden dort ausgestellt (z.B. Brueghel, Rubens, Jordans, Watteau, Fantin-Latour, Van Gogh und Ensor). Sehenswert sind besonders zwei Gemälde von Manet, impressionistische Gemälde aus der Sammlung des Brüsseler Mäzens Van Cutsem. Aber auch die harmonisch angeordneten Skulpturen sind bemerkenswert. Das Museum mit seinen vielen Kunstschätzen hätte sicherlich mehr Aufmerksamkeit von Kunstinteressierten verdient. Zum Abschluss unternahmen wir ein Bummel an die Schelde, die durch Tournai führt.

7. Tag, Dienstag: Rückfahrt über Mechelen
Der letzte Tag führte uns nach Mechelen, in die frühere Hauptstadt der ehemaligen Niederlande. Die Stadt ist stolz auf ihre 300 denkmalgeschützten Bauwerke. Vier davon stehen auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Auf dem Weg nach Mechelen gab Romy Zahren eine umfangreiche Einführung über die geschichtliche Bedeutung der Stadt. Die Stadt kam in der Zeit der Habsburger und Burgunder zur Blüte, als Margarete von York, die Witwe Karl des Kühnen, hier ihren Wohnsitz nahm und Margarete von Österreich, Tochter Maximilians I. und Statthalterin der Niederlande, ihre Residenz errichtete. Erst nach dem Tod der Statthalterin im Jahre 1530 verlegte ihre Nachfolgerin Maria von Ungarn den Regierungssitz nach Brüssel.

Eine kompetente Führerin und ein Führer zeigten die Stadt von ihrer besten Seite, so z.B. die St. Romboutskathedrale, Sitz des Erzbischofs von Belgien. Im teils gotischen, im teils barocken Innenraum hängen wertvolle Gemälde, wie die, von Anthonius van Dyck gemalte Kreuzigung.

Mechelen, Der Ratssaal

Die Führer unternahmen mit uns auch einen umfangreichen Spaziergang durch das auffällige Stadthuis mit seinem Ratssaal, in dem auch heute noch der Stadtrat tagt. Das größte Erlebnis zum Abschluss war die Besteigung des wuchtigen St. Rombouts-Turms mit 563 Stufen.

Mechelen: Die Glockenstube von St. Rombout

Während der Besteigung werden zwei riesige Glockenspiele passiert und der Raum von dem aus das Glockenspiel bedient wird. Insgesamt hängen 49 Glocken in dem Turm. Der Auf- und Abstieg dauerte rund 1 1/4 Stunden. Dafür wurde man durch eine großartige Aussicht belohnt. Nach der Führung benutzten einige Teilnehmer noch die Gelegenheit einige Rubens-Gemälde in der barocken St. Johannes Kirche zu besichtigen. Bei der Rückfahrt gab Jürgen Zahren noch einen Überblick über die kommenden Tagesfahrten und Mehrtagesreisen, bei denen sich viele der Teilnehmer wiedersehen werden.

Termin: Mittwoch, 11. Februar 2015
Abfahrt
: 7.00 Uhr, Reisebusbahnhof (Sparda-Bank)
Rückkunft: Dienstag, 17. Februar, gegen 20.00 Uhr
Preis: Mitglieder: 765,- €; Gäste: 779,- €
EZ-Zuschlag: 241, - €

Leistungen

  • Fahrt in modernem Reisebus
  • 3 ÜF im 4-Sterne Thon Hotel Brüssel City
  • 3 ÜF im 4-Sterne Best Western Plus-Hotel Lido Mons
  • Führung in Waterloo
  • Stadtführungen in Brüssel, Mons, Tournais, Mechelen
  • Eintritte gemäß Programm
  • Ein Mittagessen in La Hulpe und jeweils ein Abendessen in Brüssel und in Mons
  • Reiseleitung durch Koblenzer Bildungsverein

Bericht von Jürgen Zahren mit Fotos von Frank Schliephake und Hans-Jürgen Wenzel

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