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Frankreich: Provence

Auf den Spuren der Römerzeit und des Mittelalters
8-tägige Kultur- und Studienreise
(über Karneval)
vom 26. Februar bis 5. März 2014

1. Tag, Mittwoch: Dijon, Anreise nach Dracy-Le-Fort in Burgund

Am Mittwoch, 26. Februar 2014, starteten wir zunächst zu unserem Zwischenziel Dijon in Burgund. Mit Stadtführerin Nicole Barbier entdeckten wir die mittelalterlichen Straßen mit ihren Fachwerkhäusern und ihren schillernden Dächern sowie die herzogliche Residenz. Höhepunkt war der Besuch der gotischen Kirche Notre Dame mit ihrem Gnadenbild. Ein kostbarer Umhang um diese Marienstatue verbirgt, dass sie in den Wirren der Zeit beide Arme einbüßte. Zwei Dijoner Spezialitäten kennt jeder: Senf in allen Geschmacksrichtungen und den nach dem Domherrn Félix Kir bekannten Aperitif.

Am frühen Abend erreichten wir unsere Zwischenübernachtung im Hotel „Le Dracy“ in Dracy-Le-Fort bei Chalons sur Saône und hatten dort ein gemeinsames Abendessen.

2. Tag, Donnerstag: Weiterfahrt nach L’Isle-sur-la-Sorgue

Am 27. Februar unterbrachen wir unsere Weiterfahrt zu einem Zwischenhalt in Vaison-la-Romaine, der größten französischen Ausgrabungsstätte mit Hinterlassenschaften aus dem 1. und 2. Jh. n.Chr. Ein Film zeigte – natürlich nachgestellte – Szenen aus dem römischen Leben und einen Überblick über den Gesamt-Gebäudekomplex. Leider fiel die wegen der schönen Aussicht geplante Fahrt über den 1912 Meter hohen Mont Ventoux aufgrund schneebedingter Sperrung der über die Höhe führenden Straße aus.

Abends trafen wir in unserem Standquartier ein, dem 3-Sterne-Hotel „Best Western Domaine de la petite Isle“ im lebhaften Ort L’Isle de la Sorgue. Der Ort wird durchflossen vom Flüsschen Sorgue, das an der Vaucluse-Quelle entspringt.

3. Tag, Freitag: Avignon und Umgebung

Heute und an den folgenden drei Tagen begleitete uns fachkundig Frau Lea Bedürftig. Der einzige Regentag unserer Reise fand leider an diesem Vormittag statt. Lea zeigte uns zunächst Avignon, im Mittelalter Hauptstadt der Christenheit. Einzigartig ist die fast vollständig erhaltene mittelalterliche Stadtmauer. Geprägt wird das Stadtbild, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, durch zahlreiche Kirchen, Kapellen und Patrizierhäuser.

Avignon, Papstpalast (Aufn. v. 2013)

Beherrscht wird das Stadtbild vom mächtigen Papstpalast, den wir vor allem Papst Innozenz VI (1352-1362) verdanken. Zwischen 1309 und 1417 residierten hier sieben römische Päpste und zwei von der Kirche nicht anerkannte Gegenpäpste. Erst das Konzil von Konstanz beendete 1414 das Kirchenschisma.

Ein Besuch auf der weltbekannten Brücke Saint Bénezet, bekannt durch das Lied „Sur le pont d’Avignon ...“ durfte nicht fehlen. Keiner der Reiseteilnehmer war übrigens wegen des strömenden Regens zu einem Tänzchen zu verleiten. Übrigens ist die Brücke nicht unvollendet, sondern die vier Bögen auf dem rechten Rhône-Ufer sind Überbleibsel einer ursprünglich durchgehenden Brücke. Im 17. Jh. wurde ihre Benutzung aufgegeben, nachdem sie wieder einmal vom Rhône-Hochwasser nachhaltig beschädigt worden war. In Avignon begegnete übrigens Petrarca im Jahre 1327 seiner in Gedichten verherrlichten aber für ihn unerreichbaren Laura.

Eine Weinprobe im von den Ruinen der päpstlichen Sommerresidenz überragten Châteauneuf-du-Pape schloss sich an. Wesentlichen Einfluss auf den Weinbau der Region hatte der Weinfreund Papst Johannes XXII, der hier residierte. Im „Pavillon Skalli“ wurden ein Weißwein und drei erlesene Rotweine zur Verkostung angeboten, begleitet von einem (für Mosellaner Weinproben Gewohnte) sparsamen Imbiss.

Kartause in Villeneuve-lés-Avignon

Inzwischen hatte der Regen aufgehört und wir besichtigen im am linken Rhône-Ufer gelegenen Villeneuve-les-Avignon die Chartreuse Val de Bénédiction, wie so viele in der französischen Revolution 1790 aufgehoben. Eindrucksvoll die spartanischen Mönchszellen – sogar zwei Arrestzellen für den Klosterregeln gegenüber unbotmäßige Mönche gab es. Ebenso eindrucksvoll die vorbildlich restaurierten Fresken in der kleinen Klosterkapelle. Abendessen im Hotel.

4. Tag, Samstag: Römische Provence

Der Samstag, 1. März, brachte uns den bekannten kalten Mistral, der von den Bergen durch das Rhônetal weht, aber auch die Wolken vertrieb und uns bestes Wetter bescherte. Zunächst ging es nach Uzès, wo wir die ehem. Kathedrale St. Théodorit mit ihrem romanischen Glockenturm (tour fenestrelle) und ihrer Orgel von 1660 besichtigten. Leider verhinderten die während der Fastenzeit verschlossenen Läden einen Blick auf die 2722 Orgelpfeifen. Nach einem kurzen Halt am ehemaligen Herzogspalast gab es kein Halten mehr: alle Teilnehmer bummelten über den ausgedehnten Markt, der sich über die gesamte Altstadt erstreckte; und so manche Tüte wurde anschließend im Bus verstaut.

 

Nimes: Amphitheater Les Arènes

 

Nach der Mittagspause stand Nîmes auf unserer Agenda. Sehenswürdigkeiten sind vor allem die zahlreichen Bauten aus der Römerzeit, so die Maison Carrée, ein vollständig erhaltener ehemaliger Tempel. Gegenüber ein wesentlich jüngeres Gebäude, das von Norman Foster entworfene Carrée d’Art (Bibliothek und Museum für moderne Kunst). Wir nahmen in dem im Stadtzentrum gelegenen Amphitheater (Ende 1. Jh. n. Chr.) Platz, das heute noch für Veranstaltungen genutzt wird, so für unblutige Stierkämpfe, die sog. „Courses libres“, aber auch tödliche Stierkämpfe.

Provence, Gruppe vor Pont du Gard

Ein Muss für jeden Provence-Besucher, also auch für uns, war der Besuch des Pont du Gard – ebenfalls UNESCO-Welterbe Dieser römische Aquädukt über den Fluss Gardon (früher Gard genannt) ist der Rest einer etwa 50 km langen Wasserleitung, welche die Stadt Nîmes mit Quellwasser aus der Nähe von Uzès versorgte.

Pont du Gard

5. Tag, Sonntag: Antike und Mittelalter

Glanum: Mausoleum

 

Auch am Sonntag, 2. März, sorgte der Mistral wieder für schönes Wetter. Wir besichtigten die römische Stadt Glanum mit dem Julier-Mausoleum, dem Triumphbogen und umfangreichen Ausgrabungen.

In der psychiatrischen Klinik im nahe gelegenen St. Rémy behandelte man 1889/1890 den Maler Vincent van Gogh. In St. Rémy wurde übrigens auch der Arzt und Apotheker Nostradamus geboren.

Unser Besuch in Arles führte uns zunächst auf die Place de la République mit seinem Obelisken, umrahmt von der ehemaligen Chapelle Sainte-Anne (heute Museum), dem Hôtel de Ville (Rathaus, mit bemerkenswerter Gewölbedecke im Inneren) und der Kathedrale St. Trophime, einer ehemaligen Benediktiner-Abtei und Ziel zahlreicher Pilger im Mittelalter.

Arles: St. Trophime
Sehenswert sein Hauptportal mit Tympanon aus dem 12. Jh., dessen Plastiken fast die gesamte biblische Geschichte erzählen. In Arles wohnte 1888/1889 Vincent van Gogh; ein Blick auf die (leider geschlossene) Kaffeeterrasse durfte nicht fehlen. Arles hat nicht nur ein gut erhaltenes Amphitheater, sondern auch ein théatre antique.

Benediktinerabtei Montmajour

 

Am Nachmittag besuchten wir die Benediktinerabtei Montmajour, deren Bau im 11. Jh. auf einem ursprünglich öffentlichen Friedhof begann. Gut erhalten sind vor allem die Kirche und der mächtige Bergfried.

Die Rückfahrt verlief durch den eindrucksvollen Gebirgszug der Alpilles (kleine Alpen), die bis 500 m hoch sind. Die stark zerklüfteten Gebirgsstöcke zeichneten sich hell gegen den blauen klaren Himmel ab. Hier stiegen wir zu dem auf einem Felsplateau gelegenen Les Baux-de-Provence auf, einer pittoresken leider von Touristen überschwemmten Ruinenstadt, überragt von den Resten einer Burg.

6. Tag, Montag: Camargue

Der Montag, 3. März führte uns in die Sumpf- und Seenlandschaft der Camargue im Rhônedelta, eines der bedeutendsten Feuchtgebiete in Europa. Hier erstreckt sich südlich von Arles zwischen der Petit und der Grand Rhône ein Nationalpark. Er umfasst Brackwasserseen, Uferwälder, Dünen, Küstengebiete, Salzwasserlagunen und Salzsteppen, in denen die bekannten Camargue-Stiere und die halbwilden Pferde gezüchtet werden. Zahlreiche seltene Vogelarten sind hier heimisch.

Unsere örtliche Reiseleiterin Lea Bedürftig

Wir besuchten zunächst die Abteikirche St. Gilles (Aegidius) im gleichnamigen Ort, eine zwischen 1125 bis 1150 erbaute ehemalige Benediktinerabtei mit ausgedehnter Krypta und dem Grab des hl. Aegidius – Ziel zahlreicher Pilger.

Auf der Weiterfahrt verjagte der Mistral die Wolken, so dass wir bei strahlendem Sonnenschein Aigues-Mortes erreichten. Auch hier hat sich die historische Stadtmauer mit der „Tour de Constance“ erhalten. Die Stadt wurde von König Ludwig IX (dem Heiligen) gegründet.

Papst Innozenz IV rief 1240 zum Kreuzzug zur „Befreiung“ von Jerusalem auf. Da Frankreich einen Hafen im Mittelmeer für einen der zahlreichen Kreuzzüge benötigte, entstand er in Aigues-Mortes. Der Misserfolg auch dieses Kreuzzuges ist bekannt. Ein Denkmal im der Stadtmitte erinnert an Louis IX ebenso wie die mehrfach umgebaute gotische Kirche „Notre Dame des Sablons“, wo sich die Kreuzfahrer vor der Abfahrt versammelten. Zum Abschluss des Besuches bestiegen wir die „Tour de Constance“, von der sich eine herrliche Aussicht ergab.

Der Tag schloss ab mit dem Besuch der Stadt Saintes-Maries-de-la-Mer mit der Kirche Notre-Dame-de-la-Mer. Hier sind begraben Marie-Jacobe (Schwester Mariens), Marie-Salome (Mutter des Johannes d. Täufers) und ihre ägyptische Dienerin Sara. Der Sage nach wurden sie als Christen aus dem Heiligen Land vertrieben und in ein Boot ohne Segel und Ruder gesetzt, das wundersamerweise hier an der Küste landete. Sara - dargestellt als schwarze Madonna - ist Schutzpatronin der „tsiganes“ oder „gens de voyage“ (früher: Zigeuner), die alljährlich Ende Mai hierher wallfahren.

In Isles-sur-la-Sorgue verabschiedeten wir uns von unserer Begleiterin Lea.

7. Tag, Dienstag: Orange, Zwischenübernachtung in Dracy-Le-Fort

Am Dienstag, 4. März traten wir den ersten Teil der Heimreise an. In Orange erwarteten uns immer noch der Mistral sowie Stadtführerin Sarah zu einem kleinen Stadtrundgang. Er führte zum Antiken Theater, welches als Theater römischer Bauart hinter der Bühne eine Abschlusswand besitzt und das auch heute noch für Aufführungen genutzt wird. Das Heimatmuseum erinnerte an die Zeit der Herrschaft der Oranier, die auf Grund verwickelter Erbfolge das winzige Fürstentum von 1559 bis 1713 regierten.

Den Abschluss bildete die Besichtigung des Römischen Tors – fälschlich auch Triumphbogen genannt – mit leider stark zerstörten Skulpturen zur Geschichte der Stadt.

Anschließend fuhren wir zu unserer Zwischenübernachtung nach Dracy-Le-Fort. Nach einem – vom Verein spendierten – Crémant erwartete uns dort ein köstliches Abschiedsessen

8. Tag, Mittwoch: Beaune, Rückfahrt nach Koblenz

Auch der Rückreisetag, Mittwoch, 5. März stand im Zeichen der Kultur. Wir besuchten die burgundische Stadt Beaune, im Mittelalter neben Dijon Wohnsitz der Herzöge von Burgund und noch heute Zentrum des Weinbaugebiets der Côte de Beaune. Unser Besuch (mit Führung) galt dem Hôtel de Dieu, einem im Jahre 1443 vom Nicolas Rollin, Kanzler des Herzogs von Burgund gegründeten Hospital. Es diente auch der Pflege verarmter Kranker.

Beaune: Hôtel-Dieu

Seine Kosten bestritt das Hospital aus den Erlös zahlreicher Weinberge, die es als Dotation erhalten hatte. Hier wurden bis 1971 Kranke gepflegt, aber auch geheilt. Hervorragend das Gemälde „Jüngstes Gericht“ von Roger Van der Weyden (1945).

Am Abend gegen 18.45 Uhr erreichten wir wohlbehalten und planmäßig Koblenz – bei unserem bewährten Busfahrer Jakob Hauprichs hatten wir das auch gar nicht anders erwartet.

Termin: Mittwoch, 26. Februar 2014
Abfahrt: 7.00 Uhr, Koblenz, Reisebusbahnhof
Rückkunft: Mittwoch, 5. März 2014, gegen 19 Uhr
Reisepreis: Mitglieder: 996,00 € p.P. im DZ
Gäste: 1.011,00 € p.P. im DZ
EZ-Zuschlag: 205,00 € p.P. im DZ

Leistungen:

  • Fahrt in modernem 4-Sterne Fernreisebus,
  • 5 Übernachtungen in L'Isle-Sur-Sorgue im 3-Sterne Hotel „Best Western Domaine de la Petite Isle“ mit HP
  • 2 Übernachtungen in Dracy-Le-Fort im 3-Sterne Hotel „Le Dracy“ mit HP
  • Eintritte, Führungen und Besichtigungen lt. Programm, Weinprobe mit Imbiss in Châteauneuf du Pape
  • Reiseleitung durch Koblenzer Bildungsverein

Bericht und Fotos: Hans-Jürgen Wenzel und Wolfgang Brücker

Hinweise:
Den mit vielen schönen Fotos von Herrn Brücker illustrierten Reisebericht im pdf-Format können Sie in der Standard-Auflösung hier öffnen und dann auf ihrem Computer abspeichern. (Dateigröße 1,4 MB). 

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