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Lüttich (Liège) – Renaissance einer Kulturmetropole

3-tägige Kultur und Studienreise
vom 18. bis 20. Oktober 2013

Freitag, 18.10.2013, Fahrt nach Lüttich, ehem. Abtei Val Dieu
Bis auf den letzten Platz besetzt mit 50 Teilnehmern fuhr unser Bus mit unserem bewährten Fahrer Jakob Hauprichs am Freitagmorgen nach Lüttich. Unterwegs verteilte unsere Reiseleitung, Jürgen Zahren und Stefani Heimbach-Wenzel den Ablaufplan für die Fahrt, einen Stadtplan von Lüttich und eine Informationsbroschüre über Namur.

Liège, Stich der mittelalterl. Stadt

In Lüttich erwarteten uns die beiden Stadtführer Frau Hubertine Korvorst und Bernhard Ruck zu einem Stadtrundgang durch die historische Altstadt. Wir entdeckten das alte Stadtviertel rund um die Straßen Hors-Château und Féronstrée.

Liège, Gruppe bei der Stadtführung

Der Lambertsplatz stellt den historischen und traditionellen Kern Lüttichs dar. Von hier aus führt die berühmte Treppe der Montagne de Bueren mit 374 Stufen hinauf zur Zitadelle. In der Nähe befinden sich romantische Gassen und Hinterhöfe.

Liège: Taufbecken des Renier de Huy (um 1110 n.Chr.)

In der Bartholomäus-Kirche konnten wir ein berühmtes Pilgerziel, das Taufbecken des Renier von Huy aus dem frühen 12. Jh. bewundern. Es zählt zu den bedeutendsten Kunstschätzen des Mittelalters und gilt als eines der „Sieben Wunder Belgiens“: Es ist mit filigranen Figuren geschmückt, die sich auf das Wasser, des Symbol des Lebens und der Taufe beziehen. Man denkt darüber nach wie ein Künstler vor fast 900 Jahren eine solche Kostbarkeit schaffen konnte.

Die Führungen endeten auf dem Place de Marché, der vom Symbol der bürgerlichen Freiheiten Lüttichs, dem Perron beherrscht wird. Über einem oktogonalen Brunnengeschoß erhebt sich eine von vier Löwen getragene Säule, auf der drei Grazien einen kreuzbekrönten Pinienzapfen halten. Malerische alte Häuser rahmen den Platz und bilden einen farbigen Kontrast zur Barockarchitektur des Rathauses von 1714. An dem Platz liegen zahlreiche Restaurants, unter anderem das für seine Lütticher Spezialitäten bekannte As Ouhès, das Ziel vieler Reiseteilnehmer bereits bei der ersten Mittagspause.

Andere Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, um sich in der an dem Platz liegenden Pommes-Frites Stube eine große Tüte mit den bekannten belgischen Fritten zu kaufen oder in einem zahlreichen angrenzenden Cafes ein kleines Mittagessen einzunehmen.

Lüttich bietet  für jeden etwas, vom günstigen Tagesgericht bis zum Luxusdinner. Es gilt viele Lütticher Spezialitäten zu entdecken, von den Boulettes à la liégeoise (Fleischklopse in einer süß-sauren Sauce mit Pommes frites), Salade liégeoise (ein warmer Kartoffelsalat mit grünen Bohnen und Speck in Rotwein-Vinaigrette) oder fricassé (gebratener Speck oder Bratwurst mit einem Spiegelei), um nur einige zu nennen. Dazu trinkt man hinterher einen Pékèt, einen Wacholderschnaps, die lokale Variante des Genevers. Lüttich ist keine Stadt für Kalorienzähler.

Val Dieu, Klosterkirche u. Hlg. Bernhard

Nach der Mittagspause fuhren wir zum Kloster Val-Dieu, eine etwa 4 km westlich der Gemeinde Aubel gelegene Abtei. Nach dem Eintritt durch das imposante Torhaus erwartete uns Frau Marie-Louise Raemaekers, die uns in der nächsten Stunde mit hoher Sachkompetenz durch das Kloster führte.

Das Kloster wurde im 12. Jh. durch die Zisterziensermönche des damaligen Fürstbistums Lüttich als Tochterkloster von Kloster Eberbach gegründet. In seiner langen Geschichte wurde es mehrfach aufgelöst. Bis 2001 war das Kloster noch von Mönchen bewohnt. Heute lebt und arbeitet hier eine christliche Laiengemeinschaft, die das Kloster pflegt und Exerzitien durchführt. Bei unserem Rundgang konnten wir u.a. die Kirche, den Kreuzgang und das ehemalige Refektorium besichtigen.

Val Dieu, Gruppe in der Klosterbrauerei

Zum Schluss warfen wir einen Blick in die kleine Brauerei Val Dieu, in der seit 1997 eine junge Braumeisterin „Abtei-Biere“ braut, die auch im lokalen Klosterladen vermarktet werden.

Val Dieu, Bierverkostung

Wir konnten das Val-Dieu Blonde (6%) und das Val-Dieu Brune (8%) probieren, welche frisch aus dem Fass besonders gut schmeckten.
Nach der Rückfahrt nach Lüttich bezogen wir unsere Zimmer im 4-Sterne Hotel Jala, das Mitte 2011 eröffnet wurde und das durch seine besonders großen Zimmer (im Junior-Suiten-Umfang) und durch seine Nähe zum Carré eine ideale Unterkunft für unseren Ausflug in die Wallonie war.

Samstag, 19.10.2013, Namur, Schloss und Wasserspiele von Annevoie
Unsere Fahrt am nächsten Tag nach Namur, der Hauptstadt der Wallonie, führte uns zunächst am linken Ufer der Maas entlang. Hier wurden wir mit einem Stück europäischer Industriegeschichte konfrontiert. Die Ausbeutung der ersten Kohlengruben in Europa war die Basis für eine prosperierende Industrie der Wallonie, insbesondere der Waffenindustrie, die Lüttich zu einem bedeutenden Handelsplatz gemacht hat. Von ihrem Untergang konnten wir uns bei der Fahrt entlang zahlreicher brachliegender Stahlwerke mit verrosteten Hallen, Öfen und Türmen überzeugen. Eine ganze Region ist durch diesen Rückgang in eine Schieflage geraten und kämpft heute damit, ihre alte Bedeutung wieder zu erlangen.

Namur, Stadtmodell mit Zitadelle

In Namur erwarteten uns am Zusammenfluss von Sambre und Maas am Fuße der Festung zwei Stadtführer, Herr Guy Protin und Guido Colpaert. Sie vermittelten uns zunächst einen Einblick in die historische Geschichte Namurs. Die Stadt hat viele Kämpfe und Zerstörungen erlebt, historisch belegbar wurde es u.a. auch von den Truppen Cäsars zerstört. Bei unserer Besichtigung konnten wir die alte Fleischhalle aus dem 16. Jh. mit dem großen Stadtmodell und den vollkommen runden Beffroi von 1388 bewundern, der 1999 von der Unesco in das „Weltkulturerbe“ aufgenommen wurde. Desweiteren die Kathedrale Saint Aubain, die sich durch ihr reichhaltiges Mobilar, die kostbaren Beichtstühle, die Chorstühle, die Skulpturen, das Taufbecken und zahlreiche Gemälde auszeichnet.

Namur, Marmorsäulen in Saint Loup

Besonders beeindruckte uns die Kirche Saint Loup, die im barocken Stil zwischen 1621 und 1645 von Jesuiten aus Mailand errichtet wurde. Die Fassade aus Maas-Kalkstein im Stil der katholischen Gegenreformation zeigt in den Nischen bemalte Holzstatuen. Das Innengewölbe aus bearbeitetem Naturstein wird von Säulen aus rot- und schwarzgesprenkeltem Marmor getragen, der – wie der Lahnmarmor – ein polierfähiger Kalkstein aus dem Devon-Zeitalter ist. Der Dichter Charles Baudelaire bezeichnete das Gebäude als "unheimliches und galantes Wunder".

Namur wirbt mit diesem Wappen

Überrascht waren wir von dem pulsierenden  Leben in der Stadt, so z.B. auf dem belebten Markt in der Hauptstrasse. Auf dem Place Marché, der von zahlreichen Cafes umrahmt ist, fand ein Fest stand, in dessen Rahmen die lokalen landwirtschaftlichen Produkte zum Probieren dargeboten und verkauft wurden.

Namur, Auswahl für die Kaffeepause

In einem der zahlreichen Restaurants oder einer erstaunlich großen „Teestube“ konnten sich unsere Reiseteilnehmer erneut von der guten belgischen Küche überzeugen.

Annevoie, Reisegruppe bei der Gartenführung

Der Nachmittag führte uns zum Schloss Annevoie, dem „Belgischen Versailles“. Während aber in Versailles die Fontänen für die Wasserspiele immer nur für höchstens 1/2 Stunde sprudeln, schießen die Fontänen in diesem Park seit mehr als 250 Jahren unablässig Tag und Nacht, Sommer wie Winter in den Himmel.

Annevoie, Die Wasserspiele im Park

Der natürliche Druck des von der Höhe herabstürzenden und in verschiedenen Leitungen geführten Wassers macht es möglich. Eine sachkundige Führerin machte uns mit der Schönheit der Parkanlage, in der englische, französische und italienische Stilelemente verwoben sind, vertraut. Faszinierend die vielen Springbrunnen und Fontänen, Wasserschleier und Wasserfälle, spritzende Strahlen und Wasserwände und eine ganzes Repertoire von kleinen, aus sprühendem Wasser geformten Fächern. Gegenüber dem aufwändig gestalteten Park erscheint das Schloss Annevoie eher bescheiden und nichts anderes, als ein typischer Herrensitz aus dem 18. Jahrhundert.

Am Abend erkundeten die Teilnehmer auf eigene Faust die zahlreichen Gastrotempel von Lüttich.

Sonntag, 20.10.2013, Lüttich, Rückfahrt
Den letzten Morgen nutzten einige Teilnehmer, um zunächst durch das Carrè zur Kathedrale zu bummeln. Das Carrè ist heute ein beliebtes Einkaufsviertel und Veranstaltungsort.

Liège, Lambertusschrein in St. Paul

In der Nachfolge der während der franz. Revolution zerstörten Lambertus-Kathedrale ist die ehemalige Stiftskirche Saint Paul seit 1804 die Bischofskathedrale von Lüttich. Das Stift war 966 von Bischof Ebrachar gegründet worden. Der heutige, um 1240 begonnene Bau beeindruckt mit seinem 85 m langen und 34 m hohen Langhaus und den großen Glasfenstern in der Chorapsis. Sehenswert ist auch der harmonisch gegliederte Kreuzgang aus dem 16. Jh.

Von hier aus war es nicht mehr weit zu dem berühmten Markt „La Batte“ auf dem linken Maas-Ufer, der jeden Sonntag stattfindet.

Liège, La Batte - Fisch oder Käse?

Kilometerlang reihen sich hier Stände und Buden mit unzähligen Leckerein, Originalitäten und einmaligen Raritäten. Das Angebot von Obst und Gemüse, Käse und Wurst aber auch von lebendigem Kleinvieh wie Enten, Hühner und Hasen oder Bekleidung ist unüberschaubar. An den vielseitigen Sprachen merkt man, dass die Besucher des Marktes nicht nur aus Belgien, sondern auch aus Holland und Deutschland kommen.

Liège, Museum Grand Curtis

Ab 11 Uhr besichtigten wir gemeinsam das 2009 neu eröffnete Museum Grand Curtis im Herzen Lüttichs. Mehrere – vormals separate – historische Gebäude sind hier zu einem stimmigen Komplex mit einer Fläche von 10.000 m² zusammengefasst. Kernstück des Museums sind das ehemalige Wohnhaus sowie das Kontorgebäude des reichen Lütticher Waffenhändlers Curtius im Stil der maasländischen Renaissance. Somit entstand eine einzigartige Sammlung aus Kunstschätzen von der Vorzeit bis in das 19. Jahrhundert.  Danach nutzen viele von uns die Zeit, um nochmals die gute Küche von Lüttich zu genießen.

Liège-Guillemins, Architekt Santiago Calatrava

Zum Abschluss fuhr unser Bus noch zum neuen Bahnhof Liège-Guillemins, eine im Auftrag der „Euro Liège TGV“ vom spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfene „Kathedrale“ aus Glas und Stahl, die im September 2009 eingeweiht wurde, und inzwischen als einer der schönsten Bahnhöfe der Welt gilt. Neben dem Museum Curtius, den zwei neuen Spitzenhotels, der renovierten Oper ist er einer der Symbole der Stadterneuerung. Mit diesem Bahnhof ist Lüttich in das Hochgeschwindigkeitsnetz integriert. Bis Aachen sind es nur 22 Minuten, bis Lille 1 Stunde und 44 Minuten, bis Paris 2 Stunden und 18 Minuten und bis London nur sagenhafte 3 Stunden und 16 Minuten. Zwar steht der neue Bahnhof, aber auf dem Bahnhofsvorplatz sind noch umfangreiche Bauarbeiten im Gange, die 2014 zum Abschluss kommen sollen.

Keine drei Stunden dauerte die Fahrt mit unserem Bus zurück nach Koblenz. Wir waren beeindruckt von dem Besuch einer Region, die trotz ihrer Nähe zu Koblenz vielen von uns unbekannt war. Einig waren wir uns, dass die Region mit ihrem reichen Angebot an Kultur, an Museen und Kirchen, den vielseitigen Märkten und nicht zuletzt aufgrund ihres hervorragenden gastronomischen Angebots ein lohnenswertes Reiseziel ist.

Termin: Freitag, 18. Oktober 2013
Abfahrt: 7.00 Uhr, Rückkunft: So., 20. Okt., gegen 20.00 Uhr
Preis: Mitglieder: 251,00 € p.P. im DZ, 
Gäste: 266,00 € p.P. im DZ; EZ-Zuschlag: 70,00 €

Leistungen:

  • Busfahrt in modernem Reisebus
  • 2 ÜF im 4-Sterne Jala Hotel in Lüttich
  • Stadtführungen in Lüttich und Namur
  • Führung Kloster und Brauerei Val Dieu
  • Eintritte für Museum Curtius und Gärten von Annevoie
  • Reiseleitung durch Koblenz Bildungsverein

Reiseleitung: Jürgen Zahren, Stefani Heimbach-Wenzel

Bericht: Jürgen Zahren, Fotos: Hans-Peter Günther

 

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