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Cilento: Bedeutende Kulturschätze und einmalige Naturlandschaften

11-tägige Kultur- und Studienreise
vom 13. bis 23. September 2013

 

Eine elftägige Reise führte uns in den Süden Kampaniens, in den Cilento – ein mächtiges Bergmassiv mit abwechslungsreicher Küsten- und Berglandschaft im südlichen Apennin. Mit 1898 m ist der Monte Cervati die höchste Erhebung. Rund 100 km Küste weisen teils schöne Sandstrände auf, aber auch zahlreiche Felsgrotten.

Cilento, Meer

Fahrer war unser bewährter Jakob Hauprichs, dem kein Sträßchen zu eng, keine Straße zu steil und keine Spitzkehre zu spitz war. Mit unerschütterlicher eifeler Ruhe überwand er diese Prüfungen. Gewöhnungsbedürftig waren die teilweise riskanten Überholmanöver der Einheimischen und die Gemütlichkeit des Südens, wo kein Geschäft nachmittags vor 17 Uhr öffnete und selbstverständlich – trotz gesetzlicher Verpflichtung – keine Tabbaccheria Briefmarken führte. Auch deutsche Zeitungen waren Mangelware – sicher mangels Nachfrage. Aber die herrliche Landschaft,  das meist sommerliche Wetter und die kulinarischen Genüsse des Cilento versöhnten uns mit solchen Kleinigkeiten.

1. Tag, Freitag: Von Koblenz bis Piacencza
Am Freitag fuhren wir bei bestem Wetter durch die Schweiz zur Zwischenübernachtung im Hotel Ovest in Piacencza, Heimat der berühmten Sixtinischen Madonna, die heute in der Dresdener Nationalgalerie zu bewundern ist.

2. Tag, Samstag: Weiterfahrt nach Caserta
Der Samstag führte uns zur zweiten Zwischenübernachtung im Hotel Jolly in Caserta. Hier lag unser Hotel direkt gegenüber dem barocken, aber sehr renovierungsbedürftigen Königspalast „Reggia di Caserta“, den wir am Sonntag besuchten.

3. Tag, Sonntag: Caserta, S. Marco di Castellabate
Der barocke Königspalast von Caserta ist eines der größten Schlösser Europas und wurde als Residenz der Bourbonen für deren Herrschaft über die Königreiche Neapel und Sizilien errichtet.

Caserta, Schloss der Bourbonen

Er steht den Palästen Escorial in Spanien und Versailles in nichts nach. Die riesige Residenz umfasst vier Höfe und tausend Räume, Kapellen, Museen, Theater. Im 120 ha großen Park sind Alleen, Fontänen, die Große Kaskade und zahlreiche Bauten zu sehen. Goethe, der am 14. März 1787 das Schloss besuchte, vertraute seinem Tagebuch an: „Das Neue freilich ein ungeheuerlicher Palast, escorialartig, ins Viereck gebaut, mit mehreren Höfen, königlich genug. Die Lage außerordentlich schön…“. Eine Führung, die Romy Zahren fachkundig aus dem italienischen übersetzte, vermittelte einen Eindruck vom Luxusleben der unbeliebten Bourbonen, deren Herrschaft mit der italienischen Einigung 1860/61 zu Ende ging. Zu sehen war übrigens eine Ausstellung des französischen Fotografen Robert Doisneau.

Der Nachmittag zeigte uns die südländisch-sonntäglich verschlafene kleine Stadt Caserta. Anschließend ging es weiter nach San Marco di Castellabate zum Hotel L’Approdo, unserem Stammquartier für die kommenden sieben Tage.

(Cilento) Castellabate il mare

Es liegt direkt am Meer, so dass jeder sein Zimmer mit Seeblick u.a. auf die Amalfi-Küste und die Insel Capri bekam. Und auch die Küche ließ nichts zu wünschen übrig. Wir hatten die Wahl zwischen drei Vorspeisen, drei Hauptgerichten (Fisch, Fleisch oder vegetarisch) und zahlreichen „Dolce“.

4. Tag, Montag: Teggiano, Padula
Am Montag erwartete uns unser Begleiter Angelo Petillo, der in Deutschland aufgewachsen ist und studiert hat. Er brachte uns sachkundig die Sehenswürdigkeiten des Cilento näher, aber auch die Probleme Italiens, nicht zuletzt verursacht durch seit Kriegsende instabilen Regierungsverhältnisse.

Am Morgen fuhren wir nach Teggiano (Sitz des Fürstengeschlechtes der Sanseverino), das zu den bedeutendsten historischen Stätten des Cilento zählt und in der Antike die Hauptstadt des Dianotales war. Auf den Gipfeln eines runden Hügels überragt es die Hochebene. Bei einem Stadtrundgang lernten wir schöne Beispiele romanischer Architektur kennen, wie die Kathedrale und die Kirche Sant Andrea. Das Wohngebiet mit seinen engen und gewundenen Straßen ist vor allem um die Burg Castello die Sanseverino konzentriert. Seit einigen Jahren restauriert ist sie inzwischen ein wichtiger kultureller Bezugspunkt für ganz Süditalien geworden.

Teggiano, Portal der Kirche S. Maria Maggiore

Mittags genossen wir einen cilentanischen Vorspeisenteller im Agriturismo Aia Antica in Padula. Am Nachmittag besuchten wir die Kartause von San Lorenzo in Padula, eines der größten Klöster Italiens.

Padula, Kartause San Lorenzo

Das Kartäuserkloster wurde im 12. Jh. vom Heiligen Bruno gegründet. Durch den Wirtschaftshof, der einst zugleich Bindeglied und Tor zur Außenwelt war, gelangt man in den nur Ordensbrüdern vorbehaltenen Innenbereich und von dort in die grandiose, mit Fresken reich geschmückte Kirche San Lorenzo. Der Innenhof des Klosters ist einer der größten in ganz Süditalien. Ein wahres Juwel ist die Wohnung des Priors, die aus zehn Zimmern besteht, die auf einen wunderschönen Garten blicken. Die Bibliothek schmückt ein herrlicher Majolikaboden, der sich aber leider „in restauro“ befand und daher nicht besichtigt werden konnte. Beeindruckend war auch der große Kreuzgang, dem die Mönchszellen zugeordnet sind. Mit fast 15.000 m² Fläche zählt er zu den größten Europas.

Rückfahrt und Abendessen im Hotel.

5. Tag, Dienstag: Paestum, Agropoli
Am Dienstag besuchten wir am Vormittag die biologische Büffelfarm "Fattoria del Casaro, Paestum". (Dort werden die glücklichen Büffelkühe noch von echten Stieren besprungen und nicht aus dem Reagenzglas besamt.) Bei einem Rundgang lernten wir die Herstellung der aus Büffelmilch hergestellten Mozzarella kennen.

Mozzarella aus Büffelmilch, Besichtigung

Wir konnten den Ablauf – von der Erzeugung der Milch bis zum Zupfen der noch heißen Käsemasse von Hand – verfolgen. Eine Probe der verschiedenen Mozarella-Arten bis zur Mozarella Torte, die an unsere „Käse-Sahne“ erinnerte, durfte nicht fehlen.

Paestum, Reisegruppe

Der Nachmittag stand im Zeichen der archäologischen Ausgrabungen von Paestum (dem altgriechischen Poseidonia) mit den Resten der mächtigen Stadtmauer und den hervorragend erhaltenen drei dorischen Griechentempeln (Poseidon-Tempel, Basilika oder Hera-Tempel, Cerestempel).

Paestum, Ruine des Ceres-Tempels

Die Bezeichnungen sind etwas verwirrend. Die Römer „übernahmen“ die griechischen Götter: Hera wurde zur Juno, Ceres zur Demeter und Poseidon zu Neptun. Das Museum bot Skulpturen und Terracotta-Statuen sowie Gefäße, Vasen und eine Vielzahl bemalter Grabsteinplatten, u.a. das berühmte griechische Tauchergrab. Im Restaurant stärkte uns ein kleiner Imbiss für den anschließenden Besuch in dem von seiner byzantinischen Burg beherrschenden Städtchen Agropoli mit seinem mittelalterlichen Stadtkern und dem alten Stadttor.

6. Tag, Mittwoch: Salerno
Der Mittwoch begann mit der Besichtigung der vom Castello di Arechi überragten Stadt Salerno, ihrem Dom aus dem 11. Jh. im normannischen Stil mit seinem mächtigen Campanile und dem Grab des hl. Matthäus. In Salerno herrschten nacheinander die Langobarden, die Normannen, die Staufer und bis zur Einigung Italiens die Spanier.

(Cilento) Salerno, Campanile des Domes

Ein Bummel über die Via dei Mercanti zeigte zahlreiche einladende, aber bis in den späten Nachmittag geschlossene und so die Geldbeutel schonende Geschäfte.
Es schloss sich an der Besuch der in Terrassen angelegten Giardini della Minerva (Minervagärten). Minerva war bei den Griechen Pallas Athene. Im 14. Jh. vom Arzt und Botaniker Matteo Silvatico angelegt, wurden hier die Schüler der Medizinschule über die Namen der Pflanzen und ihre Bedeutung unterrichtet. Ein damals ausgeklügeltes Bewässerungssystem versorgt diese auch heute noch mit Wasser.

(Cilento) Madonna del Granato

Nachmittags fuhren wir zum Santuario Madonna del Granato, einer Wallfahrtskirche aus dem 12. Jh. Von dort bot sich ein herrlicher Blick über die Ebene von Paestum und den Golf von Salerno.
Es schloss folgte die Besichtigung des 280 Meter über dem Meer gelegenen mittelalterlichen Ortsteils von Santa Maria del Castellabate - mit Aussicht auf die Bucht San Marco del Castellabate, wo unser Hotel lag. Hier oben wurde der bekannte Film  „Il Postino“ (Der Postmann) gedreht, in dem ein Postbeamter von Mailand in den Süden versetzt wird und nach anfänglichen Schwierigkeiten hier heimisch wurde. Sein Motto: „Im Süden weinst du zweimal, einmal wenn Du ankommst, einmal wenn Du abreisen musst“.

7. Tag, Donnerstag: Velia
Der etwa regnerische Donnerstag führte uns wieder in die Historie, nämlich zu den Ruinen der griechischen Stadt Elia (heute: Velia), die im Jahre 540 v. Chr..von den phokäischen Griechen (Focei) gegründet wurde. „Begrüßt“ wurden wir von italienischen Bauarbeitern mit „I Pazzi de Germania“ – die Verrückten aus Deutschland – was zum Glück kaum einer aus unserer Gruppe verstand.

(Cilento) Ruinen des griechischen Elia

In Elia befand die bekannte philosophische Schule von Parmenid und Zenon. Wir wanderten – teils vom Regen, teils von der Sonne begleitet – durch das archäologische Ausgrabungsgebiet mit seinen mächtigen Stadtmauern, Häuseranlagen, Pflasterstraßen und einem griechischen Stadttor mit spektakulärem Rundbogen. Etwas enttäuscht waren einige vom Zustand von Velia, gab es doch hier im Gegensatz zu Paestum nur mehr Ruinen.

(Cilento) Imbiss in der Cooperativa Nuovo Cilento

In der „Cooperativa Nuovo Cilento“ in San Mauro erfuhren wir einiges über die Gewinnung von Olivenöl und genossen nach einer Olivenölprobe einen typisch cilentanischen Imbiss: getrocknetes in Salzwasser eingeweichtes Brot mit Tomaten (aqua sale; Standardessen der einheimischen Fischer), Bohnensuppe und verschiedene Wurst- und Schinkensorten und natürlich wie immer – einheimischen Wein.

8. Tag, Freitag, Tag zur freien Verfügung
Der Freitag stand bis nachmittags zur freien Verfügung. Manche entspannten im Hotel oder am Hotelstrand, die meisten aber wanderten über den Strand in den etwa 50 Minuten entfernten am Meer gelegenen Ortsteil von Santa Maria del Castellabate mit zahlreichen geöffneten (!) Geschäften und einladenden Trattorias. Nur einen Fußmarsch in das, wie erwähnt 280 m hoch gelegenen Castellabate, wo wir am Mittwoch gewesen waren, tat sich niemand an.

(Cilento) Leckereien aus Feigen

Am späten Nachmittag fuhren wir zur Firma Santomiele in Prignano. Der Besitzer. Dottore Antonio Longo an Kostproben vorführte, welche köstlichen Leckereien aus Feigen hergestellt werden können.

(Cilento) Prosecco-Empfang bei Santomiele

9. Tag, Samstag: Fahrt in den Süden
Am Samstag ging es wieder südlich, in den wohl bekanntesten Badeort im Cilento, Marina di Camerota. Einige entschieden sich für eine Bootsfahrt. Die meisten entschlossen sich zu einer laut Angelo „kurzen“ zweistündigen Wanderung über den Sentiero del Mediterraneo zur Baia degli Infreschi, wo uns beim „Piraten“ ein landestypischer Imbiss erwartete und manche auch das herrliche Badewetter ausnutzen.

(Cilento) Porto Infreschi

Zurück ging es mit dem Boot nach Besichtigung einiger Grotten, darunter der berühmten grotta azzurra (blauen Grotte) wieder nach Marina di Camerota.

(Cilento) Grotta azzurra

Auf dem Rückweg ins Hotel grüßte auf einem Hügel über der Mingardo-Schlucht gelegene verlassene „Geisterstadt“ San Severino di Centola.

10. Tag, Sonntag:
Am Sonntag traten wir die Rückreise zur Zwischenübernachtung im Hotel Mercure Astoria in der vielen schon bekannten,schönen Stadt Reggio Emilia an.

11. Tag, Montag: Rückfahrt nach Koblenz
Leider verzögerte sich die Rückfahrt am Montag durch eine Reparatur unseres Busses. Romy Zahren bewährte sich als Simultan-Übersetzerin zwischen „Eifeler“ und den italienischen Werkstätten-Mitarbeitern, wo sie unter anderem die Fachausdrücke für „Kardanwelle“, „Gummimanschette“ oder „Pleuelstange“ kennenlernte. So  hatten die Teilnehmer als Zusatz-Programm – aber ohne zusätzliche Kosten – Gelegenheit zur Besichtigung von Reggio Emilia mit seiner Kathedrale Santa Maria Assunta (Maria Himmelfahrt) oder der Basilica San Prospero, seiner Altstadt, zahlreicher Geschäfte und seiner Gastronomie.

So kamen wir erst am Dienstag gegen 5.00 Uhr in der Frühe in Koblenz an.

Termin: Freitag, 13. September 2013
Abfahrt: 6.00 Uhr, Koblenz
Reisepreis:
Mitglieder: 1030,– € p.P. im DZ
Gäste: 1045,– € p.P. im DZ
EZ-Zuschlag: 160,– €

Leistungen:

  • Fahrt in modernem 4-Sterne Fernreisebus
  • 7 Übernachtungen
  • 6 x Halbpension im 4-Sterne Club Hotel Residence L’Approdo in S. Marco de Castellabate
  • 3 Zwischen-Übernachtungen auf der Hin- und Rückfahrt in 3 - 4-Sterne Hotels, 2 x HP
  • Imbiss auf der Büffelfarm und in zwei Agritourismi
  • Picknick
  • Reiseleitung vor Ort am 3., 4., 6., 7. und 9. Tag
  • Trinkgeld für Reiseleitung vor Ort
  • Eintritte für Besichtigungen laut Programm
  • Reiseleitung durch Koblenzer Bildungsverein

Bericht und Fotos: Hans-Jürgen Wenzel

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