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Ein Tag zwischen Soonwald und Nahetal

Ehem. Klöster in Spabrücken und Sponheim, Freilichtmuseum Sobernheim
Samstag, 10. August 2013

Selten hatte eine Tagesfahrt – aus ganz unterschiedlichen und wichtigen Gründen – so viele Stornierungen und Absagen. Dennoch hatte der Vorstand entschieden, die Fahrt durchzuführen. Darüber freuten sich die insgesamt 19 Teilnehmer, die einen außergewöhnlichen Tag erlebten.

Nachdem wir die A 61 bei Rheinböllen und die autobahnähnlich ausgebaute B 50 bei Argenthal verlassen hatten, begann der eher beschauliche Teil der Tagesexkursion. Auf zum Teil recht schmalen Straßen erreichten wir über den Kamm des Soonwaldes die Gemeinde Spabrücken. Dort war die restaurierte Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt unser erstes Ziel.

Spabrücken, Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Die Kirche und eine dreiflügelige Klosteranlage wurden in der Zeit von 1721 bis 1736 von Franziskanern gebaut. Die einschiffige Saalkirche hat fünf sternengewölbte Joche. Das Ziel von Wallfahrern ist die sogenannte "Schwarze Madonna vom Soon", eine Lindenholzfigur aus dem 14. Jh., die bei einem Brand stark beschädigt wurde.

Spabrücken, Wallfahrtskirche, Blick zum Chor

Im gesamten Kirchenraum sind illusionistische Malereien zu sehen, die zwischen dem, in gotischen Formen errichteten, Netzgewölbe den Eindruck von Stuckarbeiten erzeugen sollen.

Spabrücken, Gewölbe mit Barockmalerei

Die Kirche wurde von 2004 bis 2007 aufwendig restauriert und dabei die verborgenen Malereien wieder freigelegt.
Kirchenmusiker Andreas Keber gab uns einen umfassenden Überblick zur Geschichte der Kirche und des Klosters. Beeindruckend und sehr ungewöhnlich ist die Grablege von Franziskanermönchen die wir uns unterhalb der Sakristei ansehen konnten.

Spabrücken, Blick zur Orgel

Auf der Orgelempore erläuterte uns Herr Keber die ab 1739 von Johann Michael Stumm erbaute Orgel und brachte uns das Instrument mit seinen sehr verschiedenartigen Registern und Pfeifenarten zu Gehör. Es wäre zu wünschen, dass man möglichst bald eine Einspielung des Instrumentes auf einer CD erwerben könnte und auch ein Kirchenführer über dieses wenig bekannte Kleinod erscheint. Einen ausführlichen Bericht über die spannende Restaurierungsgeschichte der Orgel (mit zahlreichen Fotos) hat Andreas Keber für die Fachzeitschrift "Ars Organi" verfasst (zum pdf-Dokument).

Anschließend erreichten wir - nach teilweise sehr engen Ortsdurchfahrten und Abzweigungen, die unser Fahrer Alois Rütsch von der Firma Römer-Reisen ruhig und gekonnt meisterte - eine weitere kunstgeschichtlich bedeutende Kirche.

Sponheim, ehem. Klosterkirche

Vom ehemaligen Benediktinerkloster in Sponheim ist heute nur noch die sehenswerte romanische Kirche St. Martin und St. Maria erhalten. Ihr Baubeginn wird auf die Zeit um 1185 datiert. Der Bau der Vierungskuppel und des Turmaufbaus kann nach Ansicht von Kunsthistorikern frühestens gegen 1225 entstanden sein. Mit der, das kurze Langhaus abschließenden Westmauer fanden die Bauarbeiten wahrscheinlich im frühen 14. Jh. ihren Abschluss.

Sponheim, Inneres der ehem. Klosterkirche

Abt Johannes Trithemius hatte in seinem Kloster bis 1505 eine der größten, wenn nicht die größte Bibliothek Deutschlands mit mehr als 2000 Büchern zusammengetragen. Der Ruhm dieses Wissensschatzes strahlte über ganz Europa und zog einen großen Strom gelehrter Besucher nach Sponheim.

Um die Mittagszeit fuhren wir weiter nach Bad Sobernheim und besuchten das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum. In der Museumsgaststätte im Haus Niederbreisig bestand Gelegenheit zu einem Imbiss.

Freilichtmuseum, Gehöft Weinsheim (Nahegebiet)

Bei einem individuellen Rundgang durch das Gelände lernten die Teilnehmer einen großen Teil der rund 40 wieder aufgebauten Gebäude aus allen Regionen des Landes kennen. Deutliche Kritik verdienen die Behauptungen des Museums, dass das Gelände und die Bauten für Rollstuhlfahrer und Nutzer von Rollatoren geeignet seien. Selbst eine Begleitperson von der Konstitution eines Arnold Schwarzenegger würde an vielen Abschnitten des empfohlenen Rundwegs das Handtuch werfen. In einem Vergleich mit den Freilichtmuseen Kommern für NRW und dem Hessenpark in Neu Anspach kann das "Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum" nicht mithalten, da auch viele Ausstellungen in den Gebäuden leider einen wenig gepflegten Eindruck hinterlassen.

Ohne Staus und Behinderungen erfolgte die Rückfahrt nach Koblenz. Aufgrund der Großveranstaltung "Rhein in Flammen" verzichteten wir auf eine abschließende Rast und kehrten zeitiger in die Rhein-Moselstadt zurück. 

Termin: Samstag, 10. August 2013
Abfahrt: 8.00 Uhr, Koblenz, Reisebusbahnhof
Rückkunft: wegen "Rhein in Flammen" bereits gegen 19 Uhr
Preis: Mitglieder und RVDL: 26,00 €, Gäste: 28,00 €
Leistungen: Besichtigung und Orgelvorspiel in Spabrücken, Eintritt Freilichtmuseum, Info-Material

Leitung, Bericht und Fotos: Hans-Peter Günther

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