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Auf den Spuren des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha

Die „Wiege der europäischen Königshäuser“
5-tägige Kultur- und Studienreise
vom 16. bis 20. Juli 2013

Schwerpunkte der – aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen vorerst letzten –  innerdeutschen Reise waren die Residenzstädte Gotha und Coburg sowie Schmalkalden. Trotz der nicht erreichten Mindestteilnehmerzahl entschied sich der Vorstand dafür, die Reise nicht abzusagen.

1. Tag, Dienstag: Alsfeld,  Wasserburg Friedewald, Gotha

Nach der morgendlichen Begrüßung in Koblenz durch Jürgen Zahren begann die Fahrt nach Thüringen und Bayern. Mit den Teilnehmern aus Limburg war die Gruppe komplett, die insgesamt leider nur 20 Personen umfasste. Auf derselben Route wie in den letzten Jahren ging es über Gießen in Richtung Nordosten. Allerdings legten wir eine längere Pause in der Europa- und Fachwerkstadt Alsfeld ein.

Alsfeld, Rathaus

Stadtführer Hans-Jürgen Stinder kam der Gruppe entgegen und zeigte uns während der fast zweistündigen Führung die bedeutendsten Bauten von Alsfeld.

Alsfeld, Gruppe im Ratssaal

Den bei der Bestellung geäußerten Wunsch, das historische Fachwerk-Rathaus auch von innen zu besichtigen, konnte uns Herr Stinder erfüllen. Im Anschluss bestand unmittelbar neben dem Rathaus die Gelegenheit zu einem Mittagsimbiss im Gasthaus Kartoffelsack.

Wasserburg Friedewald

 

Auf der Weiterfahrt ging es an Bad Hersfeld vorbei nach Friedewald und zur gleichnamigen Wasserburg, die zum Schutz wichtiger Handelsstraßen erbaut wurde. Um 1480 erfolgte der Umbau mit den stark befestigten Ecktürmen und dem hohen Bergfried.

Die Anlage liegt heute in einem großen, sehr gepflegten Park von Göbels Schlosshotel, das uns mit Infomaterial zur Burg versorgte. Sehenswert ist auch der schöne Kräutergarten.

Friedewald, Kräutergarten

Kurz vor der Abfahrt konnten wir noch einen Blick in die ev. Kirche werfen. Vorbei an Eisenach erreichten wir Gotha und unser Quartier für zwei Nächte, das moderne und zentral gelegene 4-Sterne Hotel am Schlosspark. Auf der Terrasse des Hotels nahmen wir das gemeinsame Abendessen ein. Viele nutzten den schönen Sommerabend noch zu einem ersten Rundgang in die Stadt oder um das Schloss.

Gotha, Markt und Rathaus mit der Wasserkunst

2. Tag, Mittwoch: Gotha
Sommerlich gewandet und mit elegantem Strohhut, holte uns Stadtführerin Ingrid Greiner am Hotel zur ganztägigen Führung durch Gotha ab. Zunächst erkundeten wir die Innenstadt mit der vom Leinakanal gespeisten Wasserkunst am Obermarkt, dem Cranachhaus und dem prächtigen Rathaus.

Gotha, Stadtführung mit Frau Greiner

Eine große Wandgrafik verdeutlicht die Beziehungen in die europäischen Königshäuser, die von Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha ausgingen, den man in Gotha salopp als den „Opa von Europa“ bezeichnet. Nach dem Blick in die Orangeriegärten und auf Schloss Friedrichsthal war es Zeit für eine Mittagspause. Der größte Teil der Gruppe folgte dem Vorschlag von Frau Greiner, die Pause im Garten des Pagenhauses, unmittelbar neben Schloss Friedenstein zu verbringen.

Der Nachmittag war dem Schloss und seinen Sammlungen vorbehalten, den wir mit dem Besuch der Schlosskirche beginnen konnten. Anschließend lernten wir die zahlreichen Prunk- und Museumsräume kennen. Den Abschluss der Führung bildete der Besuch des barocken Ekhof-Theaters.

Gotha, Ekhof-Theater in Schloss Friedenstein

Danach war noch Zeit für die Erkundung der weiteren Sammlungen und Ausstellungen im Schloss Friedenstein, einer Kaffeepause oder einem Stadtbummel. Zum leckeren Grillbuffet bot das Hotel auf der Terrasse auch noch dezente Live-Musik.

Nach dem Abendessen bestand Gelegenheit zur Teilnahme am Eröffnungsabend der 50. Europeade, eines europäischen Trachtentreffens, das an den nachfolgenden vier Tagen in Gotha begangen wurde.

3. Tag, Donnerstag: Schmalkalden
Am Morgen hieß es leider schon Abschied von Gotha zu nehmen. Nach dem Verladen des Gepäcks in den Bus und einer kurzen Fahrt zum Bahnhof wartete die Gruppe auf den Zug der Thüringerwaldbahn nach Tabarz.

Thüringer Waldbahn (ex. Mannheim)

Mit einem (von insgesamt vier) achtachsigen Duewag-Triebwagen, die Ende 2011 von Mannheim nach Gotha verkauft worden waren, fuhren wir sehr gemütlich hinaus bis in den 22 Kilometer entfernten Kurort Tabarz. An der Endhaltestelle erwartete uns Jakob mit dem Bus zur Weiterfahrt über den Kamm des Thüringer Waldes nach Schmalkalden.

Neue Hütte bei Schmalkalden

Kurz vor der Stadt legten wir noch einen kurzen Halt an der „Neuen Hütte“ ein. Die 1835 errichtete Hochofenanlage arbeitete mit Holzkohlenfeuerung und war bis 1924 in Betrieb. Die frühindustielle Anlage bietet einen guten Vergleich mit der Sayner Hütte, deren Hochofen allerdings schon 1878 stillgelegt wurde.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir dann unser Ziel, die Stadt Schmalkalden. Als Exklave und Mittelpunkt der Herrschaft Schmalkalden gehörte die Stadt seit 1360 zur Hälfte - ab 1584 vollständig - über rund 600 Jahre zu Hessen. Im Jahr 1537 stand Schmalkalden im Mittelpunkt europäischer Politik, als zur bedeutendsten Tagung des Schmalkaldischen Bundes Vertreter aus ganz Deutschland und Europa in der Stadt weilten und Martin Luther seine „Schmalkaldischen Artikel“ veröffentlichte.

Von einem Parkplatz unterhalb von Schloss Wilhelmsburg stiegen wir über die Treppenanlage der ehemaligen Wasserkunst hinauf zum Schloss.

Schmalkalden, Blick von der Wilhelmsburg

Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte der landgräflich-hessischen Schlossanlage bestand Gelegenheit zum Rundgang durch die außergewöhnlich gut erhaltene Renaissance-Anlage mit ihren vielen Wandmalereien. Sehenswert auch die Kopie des Iwein-Epos aus dem 12. Jh. Zu Fuß war es nicht weit in die Altstadt.

Für einige Teilnehmer wurde die anschließende Mittagspause zu einer „Nervenprobe“, da das Essen fast 45 Minuten auf sich warten ließ. Mit Ach und Krach fanden sich alle Teilnehmer zur Führung zusammen.

Schmalkalden, Altmarkt mit Rathaus und St. Georg

Stadtführerin Karin Braun verschaffte uns in den nachfolgenden 90 Minuten mit der interessanten Führung „Luther – eisern und evangelisch“ einen guten Überblick über die Altstadt mit dem Luther- und Iwein-Haus und gewährte uns einen Blick in den Ratssaal und das Lutherstübchen in der St. Georgskirche.
Statt der geplanten Fahrt durch Meiningen und das Werratal sorgten eine falsche Abfahrt und anschließende Umleitung für eine „Rundfahrt“ und die – gerne vermiedene – Benutzung der mit Tunnels und vielen Brücken quer durch den Thüringer Wald geschlagenen Autobahnen A 71 und 73.
Aufgrund der etwas früheren Ankunft am 4-Sterne Arcadia Hotel Coburg war eine Vorverlegung des gemeinsamen Abendessens möglich. Den sommerlichen Abend nutzten einige Teilnehmer noch zu einem Spaziergang durch den nahegelegenen Rosengarten oder in die Altstadt.

4. Tag, Freitag: Coburg
Ganztägig widmeten wir uns der Residenzstadt Coburg. Mit Stadtführer Gerd Hartan starteten wir um 9.15 Uhr vor dem Hotel zu einem sehr erlebnisreichen Tag in Coburg. Mit unserem Bus fuhren wir durch bunte Wiesentäler hinauf zur Veste, die rund 170 Meter über der Stadt liegt.

Coburg, Gruppe auf dem Weg zur Veste

Sie gehört zu den größten und am besten erhaltenen Burganlagen Deutschlands, wurde 1225 erstmals urkundlich erwähnt und im 17. Jh. mit einem dreifachen Mauerring zur Landesfestung ausgebaut. Heute beherbergt sie die ehemaligen herzoglichen Kunstsammlungen.

Coburg, Jagdintarsien-Zimmer in der Veste

In der teilweise von Bodo Ebhardt zwischen 1909 und 1925 restaurierten und ergänzten Festungsanlage zeigte uns Gerd Hartan die wesentlichen Räume und Teile der umfangreichen Sammlungen. Aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen waren wir froh, dass der Bus an der Veste einen Parkplatz gefunden hatte und uns nach der Führung hinunter in die Stadt brachte.
Mit Tipps fürs Essen versehen, erholten wir uns in der Mittagspause.

Pünktlich um 14 Uhr fanden sich alle zur Fortsetzung der Führung zusammen, um zu erfahren, weshalb die Stadtkirche den Namen St. Moriz-Kirche trägt und die Kanaldeckel den Kopf eines „Mohren“ – des heiligen Mauritius – tragen.

Coburg, Herkulessaal in der Ehrenburg

Den krönenden Abschluss des Tages bot der Besuch von Schloss Ehrenburg – mit einem Blick in die Schlosskirche und dem Rundgang durch die prachtvoll ausgestatteten Räume.

Der weitere Abend stand zur freien Verfügung. Nach einem Stadtbummel konnte man sich beispielweise von den zahlreichen gastronomischen Angeboten beim Schlossfest vor der Ehrenburg verwöhnen lassen.

Coburg, Schloss Ehrenburg

5. Tag, Samstag: Schloß Seehof, Kloster Ebrach, Rückfahrt
Nach dem Frühstücksbufett und beladen des Busses starteten wir pünktlichst am Hotel. Durch das weite Maintal, vorbei an Kloster Banz, der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und dem markanten Staffelstein, erreichten wir bei Memmelsdorf die eindrucksvolle Anlage von Schloss Seehof – die ehemalige Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe.

Bamberg, Schloss Seehof

Bei der Führung durch die mit hohem Aufwand wieder hergerichteten Räume des Schlosses erfuhren wir einiges über deren Vergangenheit. Die ehemaligen, privaten Eigentümer hatten – unter den Augen der Denkmalschutzbehörden – bis 1975 nahezu alles veräußert, was sich im Kunsthandel verkaufen ließ. Dann erwarb der Freistaat Bayern die Liegenschaft. Nach einer umfangreichen Sanierung des Hauptgebäudes, die bis in die 1990er Jahre dauerte, wird das Schloss heute von der Bayerischen Denkmalbehörde genutzt. Neun Schauräume sind der Öffentlichkeit zugänglich, in denen auch zurückgekaufte oder aus Museen entliehene Kunstgegenstände präsentiert werden.

Bamberg, Schloss Seehof, Kaskaden

Seit 1995 sind im Garten die zeitweise verfüllten Kaskaden mit ihren Wasserspielen wieder mehrfach am Tag für die Besucher in Funktion. Zwischen dem Schloss und den beiden Orangerie-Gebäuden stehen während der Sommermonate wieder 168 Zitrus-Hochstämme.

Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich in Bamberg die 1927 von Architekt Prof. Michael Kurz entworfene katholische Kirche St. Heinrich.

Bamberg, St. Heinrich

Wir umrundeten den monumentalen Außenbau und konnten dabei auch einige Glocken des eindrucksvollen hören. Im Innern der Kirche fallen die Sichtbetonflächen und das große Zollingerdach auf.

Über die B 22 fuhren wir unter anderem durch Burgwindheim – mit dem barocken Amtsschloss von Kloster Ebrach.

Ebrach, Herkulesbrunnen und Abteigebäude

Vor dem Mittagessen in Markt Ebrach warfen wir einen ersten Blick in die Gartenanlagen mit dem großen Herkulesbrunnen und die einst frühgotisch schlichte Klosterkirche der Zisterzienser.  
Im Hotel Klosterbräu gab es Gelegenheit, den überraschenden Raumeindruck während des leckeren Mittagessens sich wieder etwas „setzen zu lassen“. Ein Telefonat mit Frau Schweikhart ermöglichte den etwas zeitigeren Beginn der Führung.

Ebrach, Treppenhaus und Decke (1719)

Engagiert erläuterte sie uns das Treppenhaus, den „Kaisersaal“, das Museum zur Geschichte von Kloster und Markt Ebrach und konnte uns beschreiben, wie die Mönche den Begriff der „Fastenspeise Fische“ mit der Zeit auch auf andere Tiere, wie den Biber, ausweiteten, die auf oder am Wasser lebten.

Ebrach, Langhaus der Klosterkirche

Nach einer Hochzeit konnten wir zum Abschluss mit Frau Schweikhart das Innere der ehemaligen Klosterkirche besichtigen. Unter Abt Hieronymus Held erhielt die Kirche zwischen 1778 und 1791 ihre außergewöhnliche, frühklassizistische Ausstattung.

Ebrach, roman. Michaelskapelle

 Wer es schlichter mag, der sollte den ältesten Teil des Klosters besuchen - die früh-romanische Michaelskapelle. Da wir leider nichts vom Orgelspiel der insgesamt drei Ebracher Orgeln erleben konnten, hier der Verweis auf einen -Film. Über die Restaurierung der beiden historischen Chor-Orgeln durch die Firma Klais finden Sie hier weitere Informationen.

Mit den vielen neuen Eindrücken des letzten Tages begannen wir die Rückfahrt. Zunächst ging es bis Kitzingen über die B 22 und anschließend auf die A3, die in Richtung Süden sehr dichten Verkehr aufwies. Ohne Staus und Verzögerungen wurden Limburg und Koblenz zur geplanten Zeit erreicht.

Bei dieser Reise legten wir eine Gesamtstrecke von rund 800 Kilometern zurück, die Dank des Busses der Firma Zenz aus Manderscheid und der umsichtigen Fahrweise unseres bewährten Fahrers Jakob Hauprichs ein Vergnügen waren.

Termin: Dienstag, 16. Juli 2013
Abfahrt: 8.00 Uhr, Koblenz, 8.40 Uhr, Limburg
Rückkunft: Samstag, 20. Juli 2013, ca. 20 Uhr
Reisepreis:
Mitglieder: 437,00 € p.P. im DZ
Gäste: 452,00 € p.P. im DZ
EZ-Zuschlag: 74,00 €

Leistungen:

  • Fahrt mit modernem Fernreisebus
  • Je 2 Übernachtungen mit Frühstück in den 4-Sterne Hotels „Am Schlosspark“ in Gotha und „Arcadia“ in Coburg.
  • 3x Abendessen
  • Alle Führungen und Eintritte gem. Programm
  • Fahrt mit der Thüringerwaldbahn
  • Reiseleitung durch Koblenzer Bildungsverein
  • Info-Material

Reiseleitung, Text und Fotos: Hans-Peter Günther

 

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