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Die Burgen im Aartal

Samstag, 4. April 2009

Die Aar, ein Nebenflüsschen der Lahn, die auf den Höhen des Taunus entspringt und bei Diez in die Lahn mündet, begleitete unsere "Saison-Eröffnungsfahrt" zu den Burgen, die sich links und rechts auf den Höhen über dem Tal befinden. Neben den Mitgliedern des Bildungsvereins waren auch der Ortsverband Rhein-Mosel-Lahn des RVDL und der Zweigverein Limburg-Weilburg des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung eingeladen. Daher nahmen über 40 Personen an dieser Fahrt teil.

Fachkundig begleitet wurde die Gruppe von Dr. Jens Friedhoff, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Europäischen Burgeninstitut in Braubach. Nach einer kurzen Rundfahrt durch Diez mit Blick auf die Aarmündung und das Grafenschloss begann die Exkursion mit der kleinen Burgruine Ardeck bei Holzheim. Zweite Station war die kürzlich restaurierte Burgmauer von Oberneisen.

Empore der Kirche von Oberneisen

 Als ersten Höhepunkt erlebten die Teilnehmer den Besuch der von 1816-19 erbauten evang. Kirche von Oberneisen, die zu den bedeutendsten Sakralbauten des Klassizismus im Taunus zählt.

Für Busunternehmer Michael Garske war die Fahrt über die schmale, 17% steile Straße zum Märchenpark oberhalb von Burgschwalbach keine große Herausforderung. Der Gruppe gab es die Möglichkeit, von dort den wohl schönsten Blick auf die Mitte des 14. Jh. von den Grafen von Katzenelnbogen erbaute Burg Schwalbach zu werfen.

Burg Schwalbach

Aus diesem Blickwinkel wirkt die mächtige Schildmauer mit dem darin eingestellten runden Bergfried sehr eindrucksvoll. Der Ruine des Saalbaus erhielt vor knapp 30 Jahren Zwischendecken und wurde mit einem rekonstruierten Spitzdach geschlossen. Eine Maßnahme, die von der Denkmalpflege heute kritisch gesehen wird.

Restaurant in der Burg Schwalbach

Uns gab es jedoch die Möglichkeit, im Burgrestaurant sehr zügig das vorbestellte Mittagessen einzunehmen und dem ein oder anderen Teilnehmer noch die Gelegenheit zum Besuch des für eine Hochzeitsgesellschaft in Vorbereitung befindlichen "Rittersaals" oder sogar zum Besteigen des Bergfrieds mit seinen 160 Stufen. (Anmerkung: Aufgrund einer denkmalpflegerischen Neukonzeption besteht die Gastronomie im Saalbau inzwischen nicht mehr. In veränderter Form soll im Bereich des Torbaus in den kommenden Jahren etwas Neues entstehen. Stand: 2015). Auf der Fahrt zu unserem nächsten Ziel fuhren wir durch die kleine Gemeinde Zollhaus, die kein eigenständiger Ort ist, sondern sich auf vier verschiedene Ortsgemeinden verteilt. Um die eindrucksvolle Lage von Burg Hohlenfels zu zeigen war ein kleiner Umweg durch den Talgrund bis zu einem Aussiedlerhof nötig. Nach einem kurzen Fußweg erreichten wir das Tor, an dem uns der Besitzer willkommen hieß.

Zugang zu Burg Hohlenfels

Dr. Friedhoff konnte nicht nur über die Baugeschichte, sondern auch die überaus wechselvollen Besitzverhältnisse berichten: Ab 1353 durch Daniel von Langenau erbaut, war sie seit Ende des 14. Jh. eine Ganerbenburg, an der neben den Herren von Langenau u.a. die Brömser von Rüdesheim, die Boos von Waldeck, die von der Leyen und später die von Eltz Anteile besaßen. Den Grafen von Diez als Landesherren musste die Burg jederzeit geöffnet werden. In barocker Zeit erfolgten noch An- und Umbauten. Nachdem die Burg nicht mehr als Försterei genutzt wurde, bot sie Ausflüglern als Sommerfrische Quartier. Für die touristische Erschließung der Region sorgten die Aartalbahn (ab 1870) und die schmalspurige Nassauische Kleinbahn, die ab Nov. 1901 eine Haltestelle in unmittelbarer Nähe der Burg hatte. Zeitweise war die Burg im Besitz der Nerother Wandervögel, bis sie 1978 vom heutigen Besitzer erworben wurde.

Gruppe lauscht dem Burgherrn

Über seinen, seit mehr als 30 Jahren geführten Kampf um die Erhaltung der Burg berichtete ihr Besitzer, der Fotograf Hanns Hemann. Der "hohle Fels" als instabiler Baugrund machte vor rund zwanzig Jahren eine sehr umfangreiche Sicherung notwendig, die eines der ersten Groß-Projekte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz war. Die den Teilnehmern offen stehende Räume, Türme und Wehrgänge führten dazu, dass die für zwei Stunden vorgesehene Führung sogar etwas länger dauerte.

Burg Hohenstein

Über die B54 und die steile Nebenstraße war die hoch über dem Aartal gelegene Burg Hohenstein bei Bad Schwalbach schnell erreicht. Die auch als Ruine noch eindrucksvolle Burg wurde ab 1190 ebenfalls von den Grafen von Katzenelnbogen sowie den Grafen von Nassau-Laurenburg erbaut und fiel später an Hessen. Auch hier erklommen zahlreiche Teilnehmer den Wehrgang auf der großen Schildmauer.

Abschließend begab sich ein Teil der Gruppe über die bis zu 20 % steile Ortsstraße oder einen schmalen Fußweg hinab ins Unterdorf von Hohenstein. Die übrigen Teilnehmer trafen etwas später mit dem Bus zur abschließenden Pause im Restaurant Wiesenmühle ein. Vor der Rückfahrt bestand Gelegenheit zu einer Rast bei Kaffee und Kuchen oder etwas "Herzhafterem". Erst zu diesem Zeitpunkt öffnete Petrus ein wenig die Schleusen, denn bis dahin konnten wir glücklicherweise einen herrlichen Vorfrühlingstag genießen.

Termin: Samstag, 4. April 2009
Abfahrt: 8.00 Uhr Koblenz, Reisebusbhf.
8.40 Uhr Limburg, Frankfurter Str.
Rückkunft: gegen 20 Uhr
Leistungen: Busfahrt, ganztägige Führung durch Dr. Jens Friedhoff
Preis: Mitglieder und RVDL: 24,00 Euro; Gäste: 26,00 Euro

Leitung, Fotos und Bericht: Hans-Peter Günther

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